Die Sicherung der nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit Österreichs unter Einhaltung seiner klima- und energiepolitischen Ziele erfordert die Dekarbonisierung von Industrie und Energieerzeugung, wobei Wasserstoff insbesondere in schwer elektrifizierbaren Prozessen eine zentrale Rolle spielen wird. Dafür ist der rechtzeitige und bedarfsgerechte Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur entscheidend, um die Verteilung zwischen Erzeugern, Speichern und Endkunden sowie den Import aus dem Ausland zu ermöglichen.
Die vorliegende Studie verfolgt das Ziel, die zukünftige Nachfrage nach Wasserstoff (und den wichtigsten Derivaten) in Abhängigkeit von möglichen Preisentwicklungen zu ermitteln und so eine Orientierung über die zukünftig benötigten Mengen für die derzeit in Erarbeitung befindliche Wasserstoff-Importstrategie bereitzustellen.
Die Studie stützt sich auf eine Befragung zum aktuellen und zukünftig erwarteten Energieverbrauch in den relevanten energieintensiven Industriebranchen unter Berücksichtigung der jeweils relevanten Preiskipppunkte für Investitionsentscheidungen in wasserstoffbasierte Produktionstechnologien. Interviews mit den wichtigsten Stakeholdern ermöglichten ein vertieftes Verständnis der wichtigsten Prozesse. Die Ergebnisse der Umfrage wurden schließlich auf das ganze Land hochgerechnet, um eine österreichweit gültige Nachfragekurve für Wasserstoff zu erhalten.
Die Ergebnisse zeigen eine stark preissensitive Wasserstoffnachfrage: Bei Erreichen der Preisparität zu Erdgas inklusive CO2-Kosten könnte der Gesamtbedarf bis 2040 auf circa 33 TWh steigen, während sich bei einer weniger optimistischen an aktuellen Auktionsergebnissen orientierten Preisentwicklung (4,3 €/kg) lediglich 6 TWh einstellen würden. Ein signifikanter Sockelbedarf ergibt sich aus regulatorisch getriebenen Anwendungen wie der Produktion von Sustainable Aviation Fuels (SAF), die voraussichtlich in wesentlichen Teilen auf dem Import von flüssigem Methanol beruhen wird. Die Spannbreite der für die Dimensionierung der Infrastruktur maßgeblichen Pipeline-Wasserstoffnachfrage liegt daher, abhängig vom Wasserstoffpreis, im Jahr 2040 zwischen 3 und 27 TWh. Die geografische Verteilung der rückgemeldeten Bedarfe bestätigt im Wesentlichen frühere Annahmen wie die des integrierten österreichischen Netzinfrastrukturplans (ÖNIP).
Die Interviews zeigten deutlich, dass aufgrund der hohen Investitionskosten, der langen Anlagenlebensdauern und der Umstellungszeiträume für den Wasserstoffhochlauf stabile Rahmenbedingungen erforderlich sind. Für Branchen, die primär lokalem oder regionalem Wettbewerb ausgesetzt sind (Fernwärme, Strom, Zement), schafft diese insbesondere der Europäische Emissionshandel (ETS). Für Branchen, die stärker am internationalen Markt exponiert sind (z.B. Eisen und Stahl, Nicht-Eisen-Metalle) betrifft dies zusätzlich den Carbon-Border-Adjustment-Mechanismus (CBAM). Weiters stellen die Vorgaben aus der Erneuerbaren-Richtlinie (REDII/III) sowie der ReFuelEU-Aviation-Verordnung wichtige Treiber für den Wasserstoffhochlauf zur Herstellung von chemischen Erzeugnissen und Treibstoffen dar.
[Quelle: Bundesministerium Wirtschaft, Energie und Tourismus: Wasserstoffbedarfe 2030,2035 und 2040]
Nachbericht HyPA Quarterly: Wasserstoffbedarfsanalyse für Österreich und Aktivitäten in der Steiermark
Wie viel Wasserstoff Österreich künftig braucht, hängt vor allem davon ab, was er kostet. Das zeigt die neue Bedarfsanalyse, die die Österreichische Energieagentur im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) erstellt hat und die Studienleiter Martin Baumann am 7. Oktober 2026 im HyPA Quarterly vorstellte. […]
Sarah Neumann (BMWET) ordnete die Beauftragung ein: Die Analyse ist eine Grundlage für die Wasserstoff-Importstrategie, die bis Jahresende finalisiert werden soll. Anders als bestehende Szenarien verfolgt sie einen Bottom-up-Ansatz, indem sie auf einer Hochrechnung aus Unternehmensangaben aufbaut, und macht die Preissensitivität sichtbar. Trotz der großen Bandbreiten zeigt die Analyse einen langfristigen Importbedarf und einen klaren Bedarf an leitungsgebundenem Wasserstoff.
Die Nachfragekurve zeigt für 2040: Bei Preisen über 4 bis 5 Euro pro Kilogramm liegt die erwartbare Nachfrage bei rund 5 Terawattstunden. Sie steigt mit sinkenden Preisen und erreicht bei knapp unter 2 Euro pro Kilogramm ihr Maximum von 33 Terawattstunden. In diesem Bereich liegt auch die Preisparität, also jener Preis, bei dem Wasserstoff gegenüber Erdgas inklusive CO2-Kosten wettbewerbsfähig ist. Steigen die CO2-Zertifikatspreise, wird die Parität schon bei höheren Wasserstoffpreisen erreicht, die Nachfrage würde dann früher einsetzen. Für 2030 und 2035 verlaufen die Kurven deutlich darunter.
Von den 33 Terawattstunden würden rund 27 Terawattstunden über Pipelines bereitgestellt, der Rest über On-site-Elektrolyse und Methanol-Importe. Die zugrunde gelegten Preiserwartungen stammen aus den Ergebnissen der IF24-Auktion. Ein Teil der gemeldeten Mengen ist allerdings kaum preissensitiv: Hier wirkt die Erneuerbaren-Richtlinie RED III als Treiber. Räumlich konzentriert sich der Bedarf auf den Raum Linz, den Raum Wien und die Mur-Mürz-Achse bis Graz, in Übereinstimmung mit LFiP (AGGM) und ÖNIP.
[…]
Die Rolle des Landes Steiermark
Christoph Zirngast vom Amt der Steiermärkischen Landesregierung stellte die Aktivitäten des Landes Steiermark vor. Darunter eine neue Förderschiene über den Ökofonds, die seit 1. Oktober 2026 läuft. Gefördert wird die Erarbeitung von Einreichunterlagen für Förderausschreibungen auf Bundes- oder EU-Ebene, also Beratungen beim Verfassen von Anträgen sowie Planungs-, Beratungs- und Studienleistungen. Hintergrund sind Rückmeldungen aus der Branche, dass diese Aufbereitung aufwendig und teuer ist, bei hohem Risiko, nicht zum Zug zu kommen.
Die Förderhöhe beträgt je nach Unternehmensgröße bis zu 50.000 Euro, laut Zirngast stehen insgesamt 500.000 Euro zur Verfügung. Einreichungen sind bis 30. Juni 2027 möglich, die erste Frist endet am 30. November 2026 und ist auf die vierte Auktion der Europäischen Wasserstoffbank abgestimmt, an der sich Österreich über das WFöG beteiligt. Nach einer formalen Prüfung bewertet eine Jury die Anträge, erforderlich ist vor allem ein Projektkonzept. Das Unternehmen muss nicht in der Steiermark ansässig sein, das Projekt aber dort umgesetzt werden.
Das HI2 Valley
Markus Simbürger (Green Tech Valley Cluster) ist Regionalkoordinator für die steirischen Projekte im Hydrogen Industrial Inland Valley mit Projekten in der Steiermark, Kärnten und Oberösterreich. Das gesamte Unterfangen umfasst 44 Partner, 588 Millionen Euro Projektvolumen und läuft über sechs Jahre, geplant sind 101 MW neue Elektrolyseanlagen und rund 10.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr. Sechs der 18 Projekte liegen in der Steiermark.
Simbürger stellte sie im Überblick vor, darunter CSH2H Donawitz mit rund 20 MW Elektrolyse und der voestalpine als Hauptabnehmer, Green Lime, bei dem die InterCal Austria als Hauptträger in der Kalkherstellung ein Gemisch aus Wasserstoff und Erdgas einsetzen will und das noch in der Konzeptionsphase ist, das Energiewerk Graz mit einer 3-MW-Elektrolyse und 450 Tonnen grünem Wasserstoff pro Jahr, sowie B2H2 in Zeltweg, wo das Advanced Bioenergy Lab eine Anlage zur Herstellung von Holzgas und Holzdiesel entwickelt und künftig auch Wasserstoff und Methanol gewinnen will.
Den Mehrwert des Valley sieht Simbürger im gemeinsamen Auftreten bei der Vertretung von Projektinteressen und im Austausch zwischen den Partnern, etwa bei einem gemeinsamen Sicherheitsplan und bei rechtlichen Fragen.
[Quelle: www.hypa.at, Text gekürzt]