Ausgezeichnete Forschung, klare Perspektiven

Roland Pomberger, Leiter des Lehrstuhls für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft an der MUL & Österreicher des Jahres im Interview mit IFE.
Roland Pomberger „Österreicher des Jahres“ (Kategorie Forschung) im Interview mit Julia Redtensteiner (IFE Aufbereitungstechnik)© IFE Aufbereitungstechnik GmbH
Roland Pomberger „Österreicher des Jahres“ (Kategorie Forschung) im Interview mit Julia Redtensteiner (IFE Aufbereitungstechnik)© IFE Aufbereitungstechnik GmbH

Roland Pomberger, Leiter des Lehrstuhls für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft an der Montanuniversität Leoben und „Österreicher des Jahres“ (Kategorie Forschung), im Gespräch mit IFE Aufbereitungstechnik über die mechanische Abfallaufbereitung – von variierenden Materialströmen über steigende Anforderungen der Kreislaufwirtschaft bis hin zur Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie.

Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell in der mechanischen Abfallaufbereitung – insbesondere bei der Siebung und der Trennung von Eisen- und Nichteisenmetallen?

Roland Pomberger: Grundsätzlich ist die mechanische Aufbereitung eine wesentliche Voraussetzung für die nachfolgenden Recyclingprozesse – daran wird sich auch künftig nichts ändern. Auch im Kontext neuer, digitaler Technologien bleibt sie ein entscheidender Schritt, um Materialströme überhaupt trennbar zu machen. Eine der größten Herausforderungen liegt in der stark variierenden Materialzusammensetzung: inhomogene Abfälle mit stark schwankenden Eigenschaften stellen hohe Anforderungen an Auslegung und Betriebsweise der Maschinen und Anlagen. Im Abfallbereich gilt letztlich: Alles, was möglich ist, kann auch im Inputstrom enthalten sein. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Maschinen sehr präzise und flexibel auf unterschiedliche Materialcharakteristika einzustellen. Wichtige Bereiche sind Zerkleinerung und Siebung. Speziell die Siebung hat maßgeblichen Einfluss auf die Gesamtperformance der Anlage. Unterschiede in Effizienz, Durchsatz und Trennschärfe wirken sich direkt auf die Qualität der nachfolgenden Prozessschritte aus. Auch die zuverlässige Abtrennung von Eisen- und Nichteisenmetallen ist essenziell, da selbst geringe Restanteile die nachfolgenden Prozesse erheblich stören können. Hier sind hohe Abscheidegrade gefragt. Deswegen ist Effizienz im Bereich der mechanischen Aufbereitung so wichtig. Hier zeigen sich auch die Qualitätsunterschiede der Hersteller. Die Maschinen müssen über Jahrzehnte möglichst wartungsarm und zuverlässige tausende Tonnen bearbeiten.

 

Was sind die größten Optimierungspotenziale in der mechanischen Abfallsortierung? Wie können Sensoren, Monitoring und Co. dazu beitragen? 

Pomberger: Im Kontext der LVP-Sortierung durchgeführte Untersuchungen von Prof. Thomas Pretz (RWTH Aachen) zeigen, dass Anlagen nur rund 30 % der Zeit im optimalen Betriebsbereich laufen. In der übrigen Zeit kommt es zu Über- oder Unterbeschickung bzw. zu Stillständen, worunter der gesamte Prozess leidet. Studien – unter anderem aus dem Forschungsprojekt ReWaste F bestätigen eine zentrale Erkenntnis daraus: ein möglichst gleichmäßiger Materialstrom ist entscheidend für die Anlagenleistung. Mittels fundierter Daten und Monitoring, aber auch mittels Zerkleinerung, Siebung und Zwischenbunkern lässt sich der Materialstrom vergleichmäßigen. So arbeiten die einzelnen Maschinen näher am optimalen Betriebspunkt und die Durchsatzleistung lässt sich um bis zu 20 % steigern. Auch in der Wartung können Sensorik und entsprechende Auswertungen dahinter die Effizienz solcher Anlagen bedeutend steigern und vor allem überraschende Ausfälle verhindern. 

Wie beeinflussen steigende Anforderungen an die Kreislaufwirtschaft die Aufbereitungstechnik?

Pomberger: Mit steigenden Anforderungen an die Kreislaufwirtschaft erhöhen sich vor allem die Erwartungen an Rückgewinnungsquoten und Prozesssicherheit. Anlagen werden heute deutlich stärker auf definierte Leistungskennzahlen ausgelegt, und entsprechend nehmen auch die geforderten Garantien seitens der Betreiber zu. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass nicht jede Zielvorgabe technisch uneingeschränkt umsetzbar ist, was die Planung und Auslegung zunehmend anspruchsvoll macht und es gilt den Maschinenlieferanten dahingehend richtig auszuwählen. Zusätzliche regulatorische Entwicklungen, wie etwa das Pfandsystem für Getränkedosen, verändern die Materialströme weiter und erhöhen den Druck, verbliebene Metallanteile noch effizienter aus gemischten Fraktionen zu entfernen. Die Auswahl geeigneter Maschinen und Technologien wird damit zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für den wirtschaftlichen Betrieb von Recyclinganlagen. Entsprechend kommt leistungsfähigen, flexiblen und robusten Maschinenlösungen, wie sie IFE Aufbereitungstechnik entwickelt, eine Schlüsselrolle zu.

In diesem Zusammenhang: Wann sind Sie erstmals mit Aufbereitungstechnik von IFE in Kontakt gekommen?

Pomberger: Ich erinnere mich an ein erstes gemeinsames Projekt im Jahr 2003. Im Zentrum stand die Frage, ob ein Flächensieb von IFE erstmals in der Aufbereitung von Gewerbeabfällen eingesetzt werden kann. Dabei zeigte sich, dass Flächensiebe klare Vorteile bieten: Sie sind flexibel einsetzbar, da sich die Siebbeläge einfach austauschen lassen, und überzeugen im Betrieb durch Vorteile bei Reinigung und im Umgang mit Verstopfungen. Diese Eigenschaften haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Technologie in den Folgejahren etabliert hat und heute in vielen Anwendungen zum Stand der Technik zählt.

Welche Ihrer aktuellen Forschungsschwerpunkte haben besonders konkrete Auswirkungen auf den Betrieb und die Weiterentwicklung von Aufbereitungsanlagen?

Pomberger: Ein zentrales Thema ist seit vielen Jahren das Batterierecycling. Ein Verfahren zur Aufbereitung, welches hier am Institut entwickelt wurde, konnten bereits in die Praxis überführt werden, etwa im Rahmen eines Projekts bei Redux Recycling GmbH, wo in der Nähe von Frankfurt Anlagen zur Sortierung von Gerätebatterien betrieben und weiter ausgebaut werden. Von großer praktischer Bedeutung ist zudem das Thema Brandrisiko in der Abfallwirtschaft. Batterien stellen hier eine der Hauptursachen dar. Während vor einigen Jahren in 1.000 kg Restmüll etwa 20 Batterien enthalten waren, darunter rund zwei Lithiumbatterien, ist heute von deutlich höheren Mengen auszugehen. Diese Entwicklung stellt neue Anforderungen an Maschinenbetrieb und -auslegung.

Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie so gestaltet werden, dass Innovation gefördert wird?

Pomberger: Eine funktionierende Zusammenarbeit basiert darauf, dass beide Seiten ihre jeweiligen Stärken einbringen: die Wissenschaft mit methodischer Tiefe und analytischem Verständnis, die Industrie mit Praxisnähe und konkreten Anwendungen. Entscheidend ist, dass Fragestellungen gemeinsam definiert und im Sinne der angewandten Forschung weiterentwickelt werden. Gleichzeitig profitieren Unternehmen davon, frühzeitig Zugang zu neuen Erkenntnissen zu erhalten. Solche Kooperationen sind meist langfristig angelegt, da Verfahrensentwicklungen oft mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die Montanuniversität Leoben und IFE verbindet eine solche langjährige Partnerschaft, die auf vertrauensvoller Zusammenarbeit basiert. Gerade diese kontinuierliche Kooperation zwischen Forschung und Praxis erweist sich als zentraler Erfolgsfaktor für Innovation.

[Quelle: PA IFE Aufbereitungstechnik, 16. 6. 2026]

 

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Veronika Pranger
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