Die 4. International Sustainable Energy Conference (ISEC 2026) organisiert von AEE- – Institut für Nachhaltige Technologien aus Gleisdorf, versammelte von 14. bis 16. April in Graz rund 550 Expert:innen aus 42 Nationen aus Forschung, Industrie und Politik, um aktuelle Entwicklungen und Lösungen für den Umbau des Energiesystems zu diskutieren.
Die ISEC versteht sich als Forum, das wissenschaftliche Erkenntnisse, industrielle Anforderungen und energiepolitische Rahmenbedingungen zusammenführt, um Innovationen für zukünftige Energiesysteme voranzubringen.
Ein zentraler Fokus lag auf der Weiterentwicklung bestehender Energieinfrastrukturen und deren Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen Krisen. Der Ukraine-Konflikt, der Krieg im Iran sowie die zeitweise Blockade der Straße von Hormus verdeutlichen die Fragilität globaler Energiemärkte. Diese Konflikte zeigen einmal mehr, dass es notwendig ist, tragfähige Lösungen für geopolitische Veränderungen zu entwickeln. Bereits kurzfristige Ereignisse können innerhalb eines Tages zu massiven Ausschlägen bei Öl- und Gaspreisen führen und damit direkte Auswirkungen auf Inflation, Versorgungssicherheit und industrielle Wertschöpfung haben.
Vor diesem Hintergrund wurde deutlich, dass Energieversorgung zunehmend auch eine Frage von Sicherheit und strategischer Stabilität ist. Die Diskussionen auf der ISEC konzentrierten sich daher darauf, wie Energiesysteme durch erneuerbare Technologien, sektorübergreifende Integration und effiziente Systemarchitekturen robuster gestaltet werden können.
Besonders betroffen von diesen Entwicklungen sind Schwellen- und Entwicklungsländer, die noch stärker von Preisschocks und Versorgungsrisiken abhängig sind. Der Ausbau robuster, erneuerbarer Energiesysteme wurde daher als zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität und globale Entwicklung hervorgehoben. Vor diesem Hintergrund wurde auch die Zusammenarbeit zwischen Europa und Afrika als wichtiger Hebel betont. Die Stärkung der EU–Afrika-Kooperation sowie ein Round Table im Außenministerium im Vorfeld der ISEC zur kommenden Afrika-Strategie unterstrichen die Notwendigkeit, politische Rahmenbedingungen konsequent mit der Umsetzung zu verbinden und Marktchancen in afrikanischen Partnerländern stärker zu berücksichtigen.
Die ISEC 2026 legte einen starken Fokus auf Industrie und Umsetzung. Die Konferenz wird wesentlich von Industriepartnern getragen und ermöglicht einen intensiven Austausch zwischen Forschung und Wirtschaft, um wissenschaftliche Erkenntnisse verstärkt in konkrete Anwendungen zu überführen und die Skalierung zu beschleunigen. In diesem Kontext erhielt auch die Dekarbonisierung urbaner und industrieller Energiesysteme besondere Aufmerksamkeit, insbesondere die Rolle von Energieeffizienz, erneuerbarer Wärme, Elektrifizierung sowie integrierten Ansätzen der Energieversorgung. Gleichzeitig wurden neueste emergierende Technologien mit potenziell bahnbrechender Wirkung vorgestellt – von solar carbon recycling und hochtemperaturfähigen Wärmespeichern über Aluminium als Energieträger für Wärme und Strom bis hin zu innovativen CO₂-Nutzungskonzepten für die Stahlindustrie. Damit zeigt die Konferenz, welche Technologien die Energie- und Industrietransformation von morgen prägen könnten.
„Das Erreichen der Energie- und Technologiesouveränität, die für Österreich und Europa so entscheidend ist, hängt maßgeblich von der Transformation des Heiz- und Kühlsektors durch innovative Lösungen, einen verlässlichen regulatorischen Rahmen und starke Partnerschaften ab. Die ISEC 2026 bringt die zentralen Akteure dieser Transformation in Gebäuden, Industrie und Infrastruktur zusammen“, sagt Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus.
Ein inhaltlicher Höhepunkt der Konferenz war die Dinner Speech von Dr. Kandeh K. Yumkella, ehemaliger Generaldirektor der United Nations Industrial Development Organization (UNIDO), zur Frage einer gerechten und resilienten globalen Energiewende. Dabei betonte er:
„Eine wirklich gerechte und widerstandsfähige Energiewende gelingt nur, wenn wir sie als gemeinsame Verantwortung begreifen – eine, die niemanden zurücklässt, sondern Chancen für alle schafft. Energie ist dabei nicht nur ein technisches Gut, sondern ein Fundament für Wohlstand, Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung weltweit.“
Für den Wirtschafts- und Technologiestandort Steiermark betont Landesrat Willibald Ehrenhöfer, Landesrat für Wirtschaft, Arbeit, Finanzen, Wissenschaft und Forschung:
„Der Energiesektor ist ein wesentlicher Bereich bei der Grünen Transformation. Auch dabei kommt der Zusammenarbeit von Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft zentrale Bedeutung zu. Konferenzen wie die ISEC tragen dazu bei, den Austausch über Ländergrenzen hinweg zu verstärken und damit konkrete weitere Kooperationen zu ermöglichen.“
Industrievertreter Werner Ressi, Vorstand der Energie Steiermark AG, hebt die Bedeutung des internationalen Austauschs hervor:
„Die Energie Steiermark ist zunehmend international aktiv und versteht sich als Teil eines globalen Energiemarkts im Wandel. Der Austausch auf der ISEC ist für uns besonders wertvoll, weil er Perspektiven aus Forschung, Industrie und Anwendung zusammenführt und den direkten Transfer von Wissen und Erfahrung ermöglicht. Die Energiewende betrifft alle Unternehmensbereiche und erfordert kontinuierliche Weiterentwicklung. Entscheidend ist, Erfahrungen zu teilen und Transformation konsequent in allen Bereichen voranzutreiben.“
Industrievertreter Aleš Prešern, Geschäftsführer von Siemens Energy für Österreich und Slowenien, ergänzt:
„Die industrielle Energiewende gelingt nur, wenn Technologie, Partnerschaften und lokale Expertise zusammenspielen. Entscheidend ist, dass Lösungen nicht nur entwickelt, sondern auch im großen Maßstab umgesetzt werden – etwa bei Wasserstoff- und anderen Schlüsseltechnologien. Genau dieser internationale Austausch macht Formate wie die ISEC so wichtig.“
Organisiert wurde die Konferenz von AEE – Institut für Nachhaltige Technologien (AEE INTEC) in Kooperation mit der United Nations Industrial Development Organization (UNIDO) und der RHC-ETIP (European Technology & Innovation Platform on Renewable Heating & Cooling).
Die Confernce-Chairs und Geschäftsführer von AEE – Institut für nachhaltige Technologien, Christoph Brunner und Christian Fink, betonen die zunehmende Bedeutung der Umsetzung:
„Die Transformation der Energiesysteme beschleunigt sich deutlich. Gerade im Wärmebereich ist es entscheidend, wissenschaftliche Erkenntnisse rasch in die Praxis überzuführen und skalierbare Lösungen zu ermöglichen. Die ISEC schafft dafür den notwendigen Rahmen, indem sie Forschung, Industrie und Politik sowie Partner wie die UNIDO und die RHC-ETIP zusammenbringt und den Transfer von Wissen in konkrete Anwendungen stärkt. Die ISEC 2026 hat gezeigt, dass diese Entwicklung nur durch Zusammenarbeit, technologische Innovation und internationalen Austausch gelingt. Sie bot einen Raum, um Herausforderungen und Lösungsansätze für erneuerbare Energie, integrierte Energiesysteme und die Dekarbonisierung der Industrie zu diskutieren und legt damit den Grundstein für Kooperationen, die die Energiewende lokal, regional und global voranbringen.“
Die International Sustainable Energy Conference findet alle zwei Jahre in Graz statt und hat sich als internationale Plattform für erneuerbare Wärme und Kälte etabliert.
[Quelle: PA ISEC, 16. April 2026]
Mehr zur ISEC 2026 in Graz
ORF „Steiermark heute“ (15.4.2026): https://on.orf.at/video/14319484/16071925/500-experten-diskutieren-ueber-energiewende
orf.at – Steiermark: https://steiermark.orf.at/stories/3350119/