Siemens Energy widmete sich im Entwicklungsprojekt „RiseGREEN“ der CO₂-neutralen Planung des zuletzt in Betrieb genommenen Werks in Wollsdorf. Der Standort bot die seltene Gelegenheit, eine Fabrik von Grund auf so zu konzipieren, dass sie als Maßstab für klimaneutrale industrielle Produktion dienen kann. Im Zentrum stehen dabei ein KI-basiertes Energiemanagementsystem, die intelligente Kopplung erneuerbarer Energieträger, effiziente Produktionsprozesse sowie ein modernes Umwelt-, Biodiversitäts- und Kreislaufwirtschaftskonzept. AEE INTEC begleitete das Projekt umfassend und analysierte drei zentrale Themenbereiche, die die Grundlage für eine zukunftsweisende Fabrikarchitektur bildeten:
Energiesystemdesign
Zunächst wurde das gesamte Energiesystem des geplanten Standorts detailliert untersucht. Dazu gehörte die Analyse aller relevanten Energieformen – Strom, Wärme, Kälte – anhand umfangreicher Messdaten und geplanter Anschlusswerte. Mithilfe von Energiebilanzen, Sankey-Diagrammen und Zeitreihen wurde ein präzises Bild der Energieflüsse erstellt. Basierend darauf wurden Energieverteilung, Effizienz der Prozessanlagen, Potenziale der Abwärmenutzung sowie mögliche Energievektoren bewertet. Auch Fragen wie technische Machbarkeit, regionale Verfügbarkeit und zukünftige Werkserweiterungen flossen ein. Auf dieser Basis entstand ein integriertes Versorgungskonzept, das eine weitgehend autarke und hocheffiziente Energieversorgung ermöglicht. Ergänzend wurde ein Maßnahmenkatalog entwickelt, der konkrete Schritte zur Umsetzung dieser „Master-Lösung“ beschreibt und den Status quo einer kritischen Differenzanalyse unterzog.
Standortbetrieb und Flexibilität
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem operativen Betrieb des Werks und der Frage, wie flexibel Energie genutzt und Produktionsprozesse gesteuert werden können. Dafür wurden bestehende und geplante Betriebsstrategien umfassend bewertet – sowohl für Infrastruktur als auch Produktion. Die Analyse zeigte, welches Flexibilitätspotenzial in einzelnen Maschinen und Anlagen steckt und wie dieses durch geeignete Steuerungs- und Optimierungsstrategien genutzt werden kann. Dabei wurden auch KI-basierte Ansätze aus dem Bereich des Demand-Side-Managements untersucht. Ziel war es, Lastspitzen zu reduzieren, Energieverbräuche besser an erneuerbare Erzeugungsprofile anzupassen und Effizienzpotenziale sichtbar zu machen. Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie technische und organisatorische Maßnahmen gemeinsam ein hochgradig flexibles Energiesystem ermöglichen, das wirtschaftlich und energetisch klare Vorteile bietet.
Kreislaufwirtschaft und Ressourcennutzung
Abschließend konzentrierte sich die Untersuchung auf die Material- und Abfallströme des Werks. Sämtliche relevanten Stoffströme – darunter Metalle, Kunststoffe, Holz, Thermoöl und Abwasser – wurden detailliert erfasst, klassifiziert und hinsichtlich ihrer ökologischen und wirtschaftlichen Verwertbarkeit bewertet. Parallel dazu wurden die bestehenden Prozesse des Transformatoren-Refurbishments analysiert, um Wiederverwendungs- und Remanufacturing-Potenziale sichtbar zu machen. Darüber hinaus wurden regionale Kooperationsmöglichkeiten mit Unternehmen identifiziert, die bestimmte Reststoffe als Rohstoffe weiterverarbeiten könnten. Ergänzend wurden technologische Lösungen wie Aufbereitungsverfahren für Öle oder Membrandestillation für wässrige Konzentrate bewertet. Der resultierende Maßnahmenkatalog zeigt auf, wie die Zirkularität schon in der Planung mitgedacht werden kann. Diese Maßnahmen wurden und werden derzeit in das integrierte Abfall- und Energiesystem eingebettet.
Auftrag/Fördergeber: Siemens Energy Austria R&T Weiz
Projektleiter: AEE INTEC
Kontakt: Rene Baumann
[Quelle: https://www.aee-intec.at]