Auf Einladung von Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig trafen sich heute, Montag, rund 180 nationale und internationale Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Industrie zum bereits 4. Kärntner Wasserstoffgipfel – darunter hochkarätige Vertreter von Unternehmen wie Siemens, Bosch, Kelag, Wien Energie und Gas Connect Austria. Aus den Bereichen der Wissenschaft und der Interessensvertretungen konnte Schuschnig Vertreter von Joanneum Research, der Reykjavik University, TU Graz, der University of Santiago de Compostela sowie von der Kärntner Industriellenvereinigung, der Wirtschaftskammer Kärnten und der Österreichischen Energieagentur im Lakeside Park begrüßen.
Unter dem Titel „Hydrogen Valley als Impulsgeber für energieunabhängige Wirtschaftsstandorte“ fungiert der Wasserstoffgipfel auch in seiner vierten Ausgabe als eine Plattform für internationale Zusammenarbeit und strategische Kooperationen und holt internationale Best-Practice-Lösungen vor den Vorhang. Im Vorfeld des Gipfels fand eine Pressekonferenz von LR Schuschnig gemeinsam mit Wolfgang Anzengruber statt, der aktuelle Hydrogen Partnership Austria (HyPa)-Beiratsvorsitzende. Anzengruber konnte auch als Vortragender für den Wasserstoffgipfel gewonnen werden.
Wie Schuschnig zu Beginn des Gipfels betonte, spiele grüner Wasserstoff eine zentrale Rolle bei der Transformation hin zu einer nachhaltigen, resilienten und unabhängigen Energieversorgung. Grüner Wasserstoff werde sich zudem zu einem wesentlichen Wertschöpfungsfaktor entwickeln, den Kärnten nutzen will. „Durch den Einsatz von erneuerbarem Wasserstoff als Energieträger und Treibstoff können Emissionen in Industrie und Mobilität erheblich gesenkt werden. Dadurch verringert sich unsere Abhängigkeit von fossilen Importen und durch die heimische Produktion von Wasserstoff entsteht bedeutende Wertschöpfung“, so der Landesrat.
Wie der heutige Gipfel mit einer Rekordteilnahme 180 Teilnehmern zeige, habe sich das bisherige Engagement Kärtens ausgezahlt. „Diese beeindruckende Zahl zeigt, dass wir auf das richtige Thema setzen und es motiviert uns, unsere Ziele im Bereich Wasserstoff mit Nachdruck zu verfolgen“, erklärte Schuschnig.
Um Kärnten weiterhin als attraktiven Standort für die Wasserstoffwirtschaft zu positionieren, sollen vor allem Innovationen gefördert und internationale Kooperationen gestärkt werden. „Wir verfolgen dabei drei Ziele: wir wollen Kärnten als Knotenpunkt im europäischen Backbone-Netz positionieren, ein regionales Wasserstoff-Startnetz für Industrie & Logistik aufbauen und eine dezentrale Elektrolyse sowie Speicherlösungen zur Versorgungssicherheit schaffen.“
Kärnten habe durch seine strategisch günstige Lage das Potenzial, als Schnittpunkt zwischen Süd- und Mitteleuropa entlang des SoutH2 Corridors – einer 3.300 km langen Pipeline zur Versorgung Europas mit grünem Wasserstoff aus Nordafrika – zu fungieren. Daher solle die Vernetzung mit Kärntens Nachbarn im Norden und Süden weiter vorangetrieben werden. Aus diesem Grund wurde am Wasserstoffgipfel auch ein Memorandum of Cooperation (MoC) mit ECUBES-CEO Aleksander Gerbec unterzeichnet. „In Zusammenarbeit mit Kärntner Industrieunternehmen soll eine neue Art der Wasserstoffspeicherung erprobt werden. Das Übereinkommen ist zudem Startschuss für eine vertiefende Kooperation mit unseren Nachbarn im Alpe-Adria Raum und dem North Adriatic Hydrogen Valley“, so Schuschnig.
Gerbec betonte, Wasserstoff sei von entscheidender Bedeutung für die europäische Souveränität, weil er sowohl die Energiesicherheit als auch die industrielle Wettbewerbsfähigkeit stärke. „Kärnten verfügt über sehr gute Perspektiven in Bezug auf Erneuerbare Energien. Ich bin davon überzeugt, dass wir in Zukunft viel bewegen und gemeinsam davon profitieren können. Ich freue mich auf einen ergiebigen Gipfel und vor allem darauf, von ihren Erfahrungen zu lernen“, so Gerbec.
Schuschnig erwähnte beim Gipfel auch, was Kärnten im Rahmen des europäischen „Hydrogen Industrial Inland Valley“ (HI2 Valley) bereits erreicht hat. So konnten fünf Pilotprojekte mit einem Gesamtinvestitionsvolumen in Höhe von 54 Millionen Euro nach Kärnten geholten werden. Darunter befinden sich Initiativen zum Aufbau eines regionalen Wasserstoffnetzes für Industrie und Logistik sowie zur Errichtung dezentraler Elektrolyseure und Speicherlösungen zur Stärkung der Versorgungssicherheit, die erfreuliche Fortschritte machen, sagte der Wirtschaftslandesrat. Ein Beispiel dafür: das Kärntner Leuchtturmprojekt „DeCarB“ (decarbonising Carinthian Bus Transport). „Noch im ersten Halbjahr 2026 wird eine klimafreundliche Wasserstoff-Busflotte mit 36 Fahrzeugen im Raum Villach in Betrieb gehen und regional produzierten sowie grünen Wasserstoff beziehen“, zeigte sich Schuschnig zufrieden.
Er kündigte zudem ein Impulsbudget von einer Million Euro für 2026 an, um innovative Projekte entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette zu fördern. Die Erfahrung der bisherigen Initiaven habe gezeigt, dass es gerade beim Thema Wasserstoff weitere investitionsfähige Projekte brauche, um Vertrauen für Investoren zu schaffen und wichtige technische Erfahrungswerte zu liefern. „Der Fokus soll auf skalierbare Pilot- und Demonstrationsprojekte gelegt werden, die ein hohes Wertschöpfungspotential für Kärnten aufweisen“, erklärte der Landesrat.
Kärnten solle jedenfalls weiterhin als aktiver Mitgestalter im Bereich des grünen Wasserstoffes wirken und durch eine proaktive Standortpolitik die Rahmenbedingungen für Innovationen und internationale Kooperationen schaffen. „Wir wollen mutig und entschlossen Innovationen ermöglichen, Projekte vorantreiben und auf diesem Weg unsere Wasserstoffstrategie laufend an die neuesten Erkenntnisse anpassen“, erklärte Schuschnig.
Der ehemalige Verbund-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Anzengruber treibt derzeit federführend Österreichs Umsetzung der Wasserstoffstrategie voran. Er stellte in seinem Beitrag Österreichs Bemühungen und Chancen auf diesem Feld in einen europäischen und internationalen Kontext. So sei im Bereich des Wasserstoffes ein großes Feld für Forschung und Entwicklung gegeben. „Wir brauchen noch sehr viel Know-How, um diese neuen Technologien wettbewerbsfähig zu machen. Hier kann Österreich mit seiner Forschungskapazität beitragen“, erklärte Anzengruber. Kärnten verfüge mit seiner geografischen Lage zudem über einen Vorteil bei der Wasserstoffanbindung. „Es ist wichtig für unseren Wirtschaftsstandort, dass wir in dieser Technologie vorne dabei sind – nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch aus der Industriestruktur heraus. Daher sind Initiativen wie der heutige Wasserstoffgipfel des Landes Kärnten so wichtig. Wir gehen davon aus, dass sich die Wasserstoffwirtschaft etablieren kann und daher braucht es die entsprechenden Voraussetzungen und Rahmenbedingungen“, erklärte Anzengruber.
Neben Anzengruber referierte beim 4. Kärntner Wasserstoffgipfel eine Vielzahl hochkarätiger Speaker, wie etwa BMWET-Abteilungsleiterin Judith Neyer und Margherita Matzer von WIVA P&G über aktuelle Herausforderungen und zukünftige Perspektiven.
Ein großer Schwerpunkt war zudem die Vorstellung des Hydrogen Industrial Inland Valley (HI2 Valley). Das HI2-Valley ist ein Leuchtturmprojekt für grünen Wasserstoff, das sich über drei österreichische Regionen (Kärnten, Steiermark und Oberösterreich) erstreckt, in dem 17 Projekte und 44 Partner gemeinsam im Bereich grünem Wasserstoff arbeiten. Das Gesamtbudget beträgt dabei 588 Millionen Euro.
[Quelle: PA Land Kärnten, 2.3.2026]