Steiermark ist Recyclingkaiserin bei Elektrogeräten

18. September 2019

 

Wien

Rund 116.500 Tonnen ausgediente Elektrogeräte und 2.270 Tonnen Batterien wurden in Österreich im Jahr 2018 gesammelt. Dies entspricht einer Sammelquote von 58 % und erfüllt damit die von der EU festgelegten Quote von 45 % deutlich. Besonders fleißig wird in der Steiermark gesammelt: Sie führt das Bundesländerranking mit 13,82 kg pro Einwohner an. Das Jahr 2019 bringt eine neue Herausforderung – die EU hat die erforderliche Sammelquote auf 65 % erhöht.


 

Österreich erfüllt Mindestsammelquote für Elektroaltgeräte und Gerätealtbatterien

 

Rund 116.000 Tonnen Haushaltsgeräte und 2.300 Tonnen Gerätealtbatterien gesammelt

Wien (OTS) – Trotz wachsender Herausforderungen konnte die Sammelmasse von Elektroaltgeräten aus privaten Haushalten und Gerätealtbatterien in Österreich 2018 leicht gesteigert werden.
Die aktuellen Zahlen, Daten, Fakten rund um die Sammlung von Elektroaltgeräten und Altbatterien in Österreich wurden am 18. September 2019 im Rahmen einer Pressekonferenz der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK) gemeinsam mit VertreterInnen des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) sowie der ARGE Österreichischer Abfallwirtschaftsverbände in Wien präsentiert.

„Mit der Sammlung von rund 116.500 Tonnen ausgedienter Elektrogeräte und 2.270 Tonnen leerer bzw. kaputter Gerätebatterien im Jahr 2018, erfüllt Österreich erneut die von der EU festgelegten Sammelquoten“, erklärte Dr. Roland Ferth, Abteilungsleiter für Abfallwirtschaftsplanung, Abfallbehandlung und Altlastensanierung im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT).

 

Leichter Zuwachs bei Sammlung der Haushaltsgeräte
„Im Vergleich zu 2017 gab es 2018 bei den Sammelmassen der Elektroaltgeräte aus privaten Haushalten einen Zuwachs von 1,25 Prozent, bei den Gerätealtbatterien ist im Vergleich zum Jahr davor eine Steigerung von 7 Prozent zu verzeichnen, berichtete Mag. Elisabeth Giehser, Geschäftsführerin der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK) die Zahlen im Detail.

Seit dem Berechnungsjahr 2016 müssen alle EU Mitgliedsstaaten nicht nur im Bereich der Gerätealtbatterien, sondern auch im Bereich der Elektroaltgeräte eine Sammelquote von 45 Prozent erreichen. „Wir haben 2018 bei Elektroaltgeräten eine Sammelquote von knapp 58 Prozent erzielt. Auch bei den Batterien konnten wir 2018 die Sammelquote von 45 Prozent leicht überschreiten“, so Ferth. Trotz gestiegener Sammelmengen ist jedoch die Sammelquote im Vergleich zu 2017 bei den Elektroaltgeräten auf knapp 58 Prozent (62,5 Prozent im Jahr 2017) gesunken. Bei der Sammlung von Gerätebatterien konnte die Sammelquote geringfügig erhöht werden, da es eine 7-prozentige Steigerung der Sammelmasse gab. „Dieser Umstand ist vor allem auf den Anstieg der in Verkehr gesetzten Massen der vorangegangenen Jahre zurückzuführen“, so die Erklärung der EAK-Geschäftsführerin. Denn zur Berechnung der Sammelquoten werden die Sammelmassen in Relation zum Durchschnitt der in den vergangenen drei Jahren in Verkehr gebrachten Massen gesetzt.

 

2019 Erhöhung der Sammelquote auf 65 Prozent
Ab dem Berechnungsjahr 2019 wird die erforderliche Sammelquote für Elektroaltgeräte von 45 Prozent auf 65 Prozent erhöht. „Das stellt für alle EU-Mitgliedsstaaten eine enorme Herausforderung dar – auch für Österreich“, problematisierte der Vertreter des Ministeriums. „Denn durch den wachsenden Marktinput bei Elektro- und Elektronikgeräten sowie bei Lithium-Batterien, deren durchschnittliche Nutzungsdauer circa sechs Jahre beträgt, wird es zunehmend schwieriger die Mindestsammelquoten zu erreichen“, betonte Ferth.

 

Herausforderung: Illegaler Export von Elektroaltgeräten
„Ebenfalls negativ auf die Sammelquoten wirkt sich natürlich der illegale Export von Elektroaltgeräten ins Ausland aus“, warnte der EAK-Aufsichtsratsvorsitzende KR Ing. Wolfgang Krejcik in seinem Presse-Statement. „Durch illegale Exporte ins Ausland verlieren wir pro Kopf und Jahr zwischen ein und zwei Kilo Elektroaltgeräte. Grob geschätzt gehen Österreich damit 13 Prozent der Sammelmasse, samt der darin enthaltenen Wertstoffe, verloren“, so Krejcik.

 

Herausforderung: Versandhandel
Als weitere große Herausforderung bezeichnete Krejcik auch den Versandhandel, der derzeit immerhin 15 bis 20 Prozent Marktanteil im Elektro- und Elektronikgerätebereich hält. „Obwohl die EAG-Verordnung vorschreibt, dass auch Firmen mit Sitz im Ausland verpflichtet sind, in Österreich verkaufte Geräte zu melden und Entsorgungsbeiträge dafür zu leisten, müssen wir annehmen, dass dies nicht lückenlos geschieht“, so Krejciks Vermutung. Er forderte die Sicherstellung einer möglichst lückenlosen Meldung der in Verkehr gesetzten Massen an Elektrogeräten sowie Batterien/Akkus durch die teilnehmenden Hersteller und Importeure. „Um so genannte ‚einbeinige Trittbrettfahrer‘, also unvollständig meldende Teilnehmer, zu vermeiden, braucht es Transparenz und mehr Kontrolle als bisher. Denn nur so können wir korrekte Abläufe und faire Marktbedingungen ermöglichen“, betonte Krejcik.

 

Österreich unter den Top-Sammlern im EU-Länder-Ranking
Trotz großer Herausforderungen, die es zu meistern gilt, weist Österreich mit der 2018 erzielten Sammelquote von knapp 58 Prozent bei Elektroaltgeräten im europäischen Vergleich eine hohe Sammelquote auf und liegt gleichzeitig bei den spezifischen Sammel- und Behandlungskosten im unteren Drittel. „Dieses gute Ergebnis ist auf die enge Zusammenarbeit der Kommunen und Wirtschaft zurückzuführen“, betonte Bgm. LAbg. Anton Kasser, Präsident der ARGE Österreichischer Abfallwirtschaftsverbände. Er bezeichnete den österreichischen Weg als „beispielgebend für die gesamte EU“.
85 Prozent der gesammelten Menge wurden über die kommunalen Altstoffsammelzentren, Recyclinghöfe oder Mistplätze der Verbände, Städte und Gemeinden gesammelt. Die jährliche spezifischen Bundesländersammelmengen der Elektroaltgeräte je EinwohnerIn schwanken dabei zwischen 13,82 kg (Steiermark) und 6,48 (Wien), die der Gerätealtbatterien zwischen 0,46 kg und 0,09 kg. Die restlichen 15 Prozent wurden über den Handel oder direkte Abgabestellen von Herstellern gesammelt.

 

Sammelbereitschaft ankurbeln
Generell zeigte sich das Podium der Pressekonferenz mit den 2018 erzielten Sammelergebnissen zufrieden. „Jedoch gibt es noch viel zu tun, um die Sammelbereitschaft in Österreich weiter anzukurbeln “, so das Resümee der ReferentInnen. „Vor allem bei der Gerätebatteriesammlung muss der Wissensstand der ÖsterreicherInnen über die richtige Handhabung von ausgedienten Batterien und Akkus noch stark verbessert werden“, erklärte Giehser. Sie wies darauf hin, dass nach wie vor Gerätealtbatterien/-akkus im Restmüll landen oder in den Schubladen der Haushalte gelagert werden. „Beides fügt nicht nur Mensch und Umwelt Schaden zu, sondern wirkt sich auch negativ auf die Sammelquote aus“, so Giehser.

 

Bewusstseinsarbeit verstärken – Schulprojekte ausweiten
Die EAK-Geschäftsführerin blickte jedoch optimistisch in die Zukunft und verwies darauf, dass vor allem bei der Jugend ein immer stärkeres Interesse an Umwelt- und Klimaschutz spürbar werde. Dieses Interesse zeige sich auch an der starken Nachfrage nach Schulprojekten, die 2018 verstärkt durchgeführt wurden und die auch in den kommenden Jahren weiter forciert werden“, so die Pläne der EAK-Chefin.

Die 2018 sehr erfolgreich in Wien und Niederösterreich durchgeführten Schulprojekttage zum Thema „Lässig Sammeln statt uncool Wegwerfen“ werden demnächst auch in anderen Bundesländern durchgeführt. Giehser: „Diese Schulworkshops tragen dazu bei, die KonsumentInnen der Zukunft frühzeitig zu informieren und eine Trendumkehr von der Wegwerf- hin zur Kreislaufwirtschaft zu forcieren. Diese Trendumkehr muss uns im Sinne der kommenden Generationen unbedingt gelingen“.

 

Mach’s wie die Watt‘s – Alltagsgeschichten der Familie Watt
Neue Akzente in der Bewusstseinsarbeit sollen durch verstärkte Verbreitung gezielter Informationen über Social-Media-Kanäle erzielt werden. Um auch die jüngere Zielgruppe verstärkt zu erreichen, wurde ein Erklärvideo produziert, das zur Verhaltensänderung aufruft. Als Role-Model dient die „Familie Watt“, anhand deren Alltag die Thematik „was tun mit kaputten Elektrogeräten und Batterien“ in einfachen Bildern anschaulich und leicht verständlich dargestellt wird. „Mach’s wie die Watts“ zeigt, dass Ressourcenschonung für jeden ganz einfach ist.

Abschließend richteten die ReferentInnen einen Appell an die anwesenden MedienvertreterInnen: „Alte Elektrogeräte und Altbatterien haben im Restmüll aber auch in Händen illegaler Sammler nichts verloren. Helfen Sie uns dabei, Nachteile für Mensch, Umwelt und Wirtschaft zu verhindern und verbreiten auch Sie die Inhalte unserer Informationsmaterialien, die auf www.elektro-ade.at und auf www.eak-austria.at zum Download zu Verfügung stehen“.

 

 

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