Steiermark initiiert Projekt zur Rohstoffsuche in alten Mülldeponien

31. Oktober 2012

 

Zwei Universiäten, Umwelt-Netzwerk und Private arbeiten drei Jahre lang an Möglichkeiten, um „Schätze“ zu heben


 

Das Land Steiermark initiiert zusammen mit der TU Graz und der Montanuniversität Leoben ein Projekt, um in alten Mülldeponien schlummernde Rohstoffe zu bergen und wiederzuverwerten. Laut dem für Abfallwirtschaft zuständigen Landesrat Johann Seitinger (V) sollen in den nächsten drei Jahren Möglichkeiten und Methoden zur „Bergung“ erarbeitet werden. In den vergangenen 50 Jahren waren in der Steiermark rund 32 Mrd. Kilogramm Müll vergraben worden, so Seitinger bei der Präsentation des Vorhabens in Graz.

Beauftragt mit der Abwicklung wurde der Umwelttechnologiecluster Eco World Styria sowie die beiden Unis, weiters sind Firmen mit entsprechender Erfahrung mit dabei. Das Projekt läuft unter „Landfill Mining“, und war bereits ein Diskussionspunkt in der im September an der Montanuni Leoben stattgefundenen Rohstoffkonferenz. Die Vorgangsweise hat drei Vorteile: Man kann Metalle und seltene Erden in bereits verarbeiteter Form gewinnen, man schafft neuen Deponieraum und man baue Recycling-Know-how auf, das man an Betreiber anderer Deponien gewinnbringend weitergeben könne.

Deponie als künstliche Lagerstätte
„Wir sehen die Deponie nicht als Problem, sondern als künstliche Lagerstätte“, so Univ.-Prof. Roland Pomberger von der Montanuni Leoben: „Wir müssen die Bedingungen herausfinden, unter denen es sinnvoll ist, gewisse Stoffe aus dem Abfall zu holen.“ Ein weiterer Vorteil sei die Senkung des Risikopotenzials alter Deponien, wenn man sie aufarbeitet.

Auch spare man an den Folgekosten für die Mülllagerstätten: „Alleine das Entsorgen der Millionen Liter von Sickerwasser kostet ein Schweinegeld“, sagte der Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes, Wilhelm Himmel. Über die seit den 90er Jahren durchgeführte Abfallanaylse des Landes wisse man bei vielen Deponien auch ganz gut Bescheid, was wo in welcher Menge vorhanden sei. In der Deponie Liezen sei etwa Kunststoff kompakt vergraben, das mache eine Bergung – z. B. für thermische Verwertung – leichter. Bei einem errechneten Metallanteil von zwei bis vier Prozent an der Deponiemasse sei einiges zu holen.

147 Deponien in der Steiermark
In der Steiermark sind derzeit 147 Deponien, 384 Altablagerungen sowie 141 Verdachtsflächen und 18 Altlasten gemeldet. Von den 147 Deponien sind 81 noch als Hausmülldeponien, Reststoffdeponien, Baurestmassendeponien und Bodenaushublagerstätten in Betrieb. Wenn eine Deponiekapazität von 100.000 Kubikmeter als Auswahlgrenze für einen technisch und wirtschaftlich sinnvollen Rückbau angenommen werde, kämen 40 Deponien in Betracht. Diese würde in Summe eine Gesamtkubatur von rund 26 Millionen Kubikmeter aufweisen.

Für das Vorhaben stehen seitens des Landes vorerst rund 80.000 Euro zu Verfügung, seitens der beteiligten Unternehmen soll nochmals die gleiche Summe kommen. Landesrat Seitinger meinte ferner, man bereite auch ein Projekt auf EU-Ebene vor. Das könnte ebenfalls Fördermittel bringen.

Quelle: APA, 29.10.2012

 

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