Schatzsuche in den Tiefen der Mülldeponien

31. Oktober 2012

 

Einst Müll, heute Wertstoff: Die Steiermark will Rohstoffe bergen, die einst achtlos in Deponien vergraben wurden. Unter dem Land liegen gewaltige Schätze. Aus den Augen, aus dem Sinn – das war früher einmal. Über Jahrzehnte hat man in der Steiermark den anfallenden Müll unsortiert in Deponien vergaben, bunt zusammengewürfelt aus Verpackungsmaterial, alten Waschmaschinen und Autoreifen. […]


 

Einst Müll, heute Wertstoff: Die Steiermark will Rohstoffe bergen, die einst achtlos in Deponien vergraben wurden. Unter dem Land liegen gewaltige Schätze.

Aus den Augen, aus dem Sinn – das war früher einmal. Über Jahrzehnte hat man in der Steiermark den anfallenden Müll unsortiert in Deponien vergaben, bunt zusammengewürfelt aus Verpackungsmaterial, alten Waschmaschinen und Autoreifen. 32 Milliarden Kilogramm Abfall haben sich in den vergangenen 50 Jahren auf diese Weise angesammelt und schlummern heute in 147 Müllhalden vor sich hin. Mit diesem Zustand könnte bald Schluss sein. Die steigenden Rohstoffpreise machen viele der einst undifferenziert entsorgten Materialien wieder interessant. Das Land lässt nun in einem Pilotprojekt prüfen, in welchen Fällen es sich rentiert, die alten Reststoffe wieder auszugraben und wiederzuverwerten.


Die dafür nötigen Technologien und Kosten soll die Montanuniversität Leoben drei Jahre lang gemeinsam mit der TU Graz und mehreren Betrieben des Öko-Clusters Eco World Styria erkunden. „Es wird Versuchsbohrungen und Aufbereitungen der zutage geförderten Materialien geben“, sagt Roland Pomberger von der Montanuni. „Wir wollen feststellen, in welcher Qualität die Rohstoffe vorhanden sind und zu welchen Bedingungen es wirtschaftlich sinnvoll ist, sie zu heben.“ Interessant sind für die Verwertung vor allem Metalle und Brennstoffe. „Bisher gab es dazu in Österreich nur theoretische Überlegungen, jetzt testen wir die praktische Umsetzung“, sagt Pomberger.

Zur Finanzierung des Projekts hat das Land vorerst 84.000 Euro freigegeben, die selbe Summe stellen die beteiligen Umwelttechnikfirmen. „Den größten Anteil soll aber eine EU-Förderung ausmachen, die wie gerade beantragen“, sagt der zuständige Landesrat Hans Seitinger. Der Hintergedanke: Die Steiermark soll auf dem zunehmend lukrativer werdenden Gebiet des „Landfill Mining“, so der englische Fachbegriff, Kompetenz aufbauen und anschließen international vermarkten.

Ausschlaggebend für das steigende Interesse an der neuen Technik sind nicht nur die rapide steigenden Preise für Kupfer, Rohöl oder Seltene Erden. Auch die Wartung der steirischen Deponien verschlingt jedes Jahr beträchtliche Summen und könnte mit der Verwertung der Reststoffe günstiger werden. Und: Der Platz in den Müllhalden ist begrenzt. 200.000 Kubikmeter Deponiemüll fällt in der Steiermark jedes Jahr an, bei einem Platzangebot von insgesamt noch 2,5 Millionen Kubikmetern in den 81 noch aktiven Müllhalden. „Das bedeutet, dass wir in spätestens elf Jahren neue Deponien anlegen müssten. Mit der Verwertung der deponierten Reststoffe würden wir wieder neuen Platz schaffen“, sagt Seitinger.

Den Link zur Kleinen Zeitung und das Video finden Sie hier.

Quelle: Kleine Zeitung, 30.10.2012

 

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