Pionier Bertrand Piccard beim Global Innovation Summit 

Von 18. bis 20. Mai fand der virtuelle Global Innovation Summit zum Kernthema der grünen und digitalen Transformationin Graz statt und wurde live in die ganze Welt übertragen. Mehr als 3.000 Teilnehmende aus 14 Nationen verfolgten das inspirierenden Programm mit Keynote-Speakern wie Bertrand Piccard, Dorothee Ritz, Gabriel Felbermayr und Sabine Herlitschka sowie parallel stattfindenden Themensessions zu Green Transition, Post COVID und Digitaler Transformation.
 

In der vom Green Tech Cluster geleiteteten Session „From Green Deal to Green Lead“ wurde darüber diskutiert, was es braucht, um ein Green Leader zu werden: Wie können wir die Chancen des Green DEAL nutzen, sodass wir in Europa den Green LEAD bei nachhaltigen Technologien erreichen? Welche Chancen ergeben sich auf europäischen Märkten aus dem Green Deal und welche Rahmenbedingungen & Mindset brauchen wir, damit wir grüne Technologieführer werden? Ihre Expertise dazu teilten Ralph Büchele, Partner bei Roland Berger München und Prof. Friedrich Prinz, Stanford University in ihren Keynotes.

Die Lösungen des Green Tech Valley sind ermutigend und äußerst nützlich. Ich bin wirklich erstaunt über die Dynamik der Cleantech-Branche in Österreich.

Sustainability-Pionier Bertrand Piccard

Der Schweizer Bertrand Piccard erlangte als Abenteurer und Pilot durch den Solarflug Weltruhm. Jetzt zeigt er der Welt, wie Wachstum und Umweltschutz Hand in Hand gehen können. Wir hatten die Gelegenheit, mit ihm über seine Vision zu sprechen.

Green Tech Cluster:

Als Sie 2016 mit dem Solarflugzeug Solar Impulse II die Welt umrundet haben, hat das die öffentliche Meinung verändert: Es hat zum ersten Mal gezeigt, dass man ohne fossile Brennstoffe über große Distanzen durch die Luft fliegen kann. Wie lange wird es dauern, bis auch Otto Normalverbraucher mit elektrischer Energie fliegen kann, ohne Kohlenstoffemissionen?

Bertrand Piccard:

Elektrisch betriebene Flugzeuge können bereits mit zwei bis vier Personen bis zu eineinhalb Stunden fliegen. Das ist ein Anfang – ich denke, wir werden noch etwa zehn Jahre warten müssen, bis es einsatzfreie Kurz- und Mittelstreckenflüge geben wird. Die Technik ist bereits vorhanden: Batterien, Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe und Leichtbau. Aber wir müssen erst eine kritische Masse aufbauen, bevor das alles bezahlbar wird.

Ihre Argumente für klimafreundliche Technologien und Geschäftsmodelle scheinen so überdeutlich, dass man einfach sagen könnte: „Stimmt!“ Aber, warum haben wir den Weg in eine grüne Zukunft nicht schon längst eingeschlagen?

Ganz einfach, weil wir in der Vergangenheit nicht über die technologischen Möglichkeiten verfügten. Oder sie waren da, aber zu teuer. Und auch heute gibt es zu viele Menschen, die nicht verstehen, dass sich die Situation geändert hat. Regierungen machen Versprechungen über Klimaneutralität, ohne eine klare Vorstellung davon zu haben, wie sie erreicht werden kann.

Große Veränderungen in den Prozessen werden entweder von oben oder von unten initiiert. Werden wir den Klimawandel mit vielen kleinen Schritten oder mit einem großen Sprung bezwingen?

Es gibt nicht die eine Wunderlösung für den Klimawandel. Das eigentliche Wunder liegt darin, dass es heute schon 1.000 Lösungen gibt, die sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene wirken. Weil es so schwierig ist, eine internationale Einigung zu finden, übernehmen nun lokale Akteure, Unternehmen oder Regionen die Führung im Kampf gegen den Klimawandel.

Auf dem Global Innovation Summit in Graz sprachen Sie mit einem Publikum über die Gestaltung der Rahmenbedingungen für neue Innovationen. Wo liegen die größten Defizite bei den Rahmenbedingungen?

Viele gesetzliche Regelungen sind veraltet, weil sie noch auf alten Technologien basieren. Das bedeutet, dass viele Unternehmen nach geltendem Recht noch die Umwelt verschmutzen dürfen. Sie haben also keinen Anreiz, etwas zu ändern. Aber genau da ist der größte Bedarf.

Im Green Tech Valley wurden bereits 500 Lösungen für den Kampf gegen den Klimawandel entwickelt und weltweit in Betrieb genommen. Wie ist Ihre Wahrnehmung dieses Umwelt-Hotspots?

Es ist sehr ermutigend und extrem nützlich. Ich finde die Dynamik der Green Tech Branche in Österreich ganz erstaunlich. Die ganze Welt muss mehr davon erfahren. Europa übernimmt jetzt die Führung, nachdem es lange Zeit hinter China und den USA zurücklag.

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Kontakt

Martina Schöneich
Green Tech Cluster
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