Neues Verfahren gewinnt Ammonium aus Gärresten

14. Juli 2016

 

Die Christof Industries arbeitete gemeinsam mit der Montanuniversität Leoben und weiteren Partnern in „ReNOx“ am Einsatz von Biogas und Gärresten bei der Zementproduktion. Jetzt wurde die erste, mobile Pilotanlage zur Abwasserreinigung eröffnet. Mithilfe des „Ionentauscher-Loop-Stripping“-Verfahrens wird Ammonium aus Gärresten und Trübwasser rückgewonnen und industriell verwertet. Besonders geeignet ist die neue Technologie für Biogas- oder Kläranlagen mit hoher Stickstofffracht aus Co-Substraten. Dadurch wird das Grundwasser gerade in landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen entlastet.


 

Unter reger Beteiligung von Industrie- und Forschungspartnern wurde an der Montanuniversität kürzlich eine neue Pilotanlage zur Abwasserreinigung eingeweiht. Sie basiert auf einem neuen, vom Lehrstuhl für Verfahrenstechnik des industriellen Umweltschutzes (VTIU) entwickelten Verfahren. Die mobile Pilotanlage, welche in einem 20-Fuß-Container aufgebaut wurde, wird in den kommenden Wochen an die Kläranlage Knittelfeld übersiedelt und dort erstmals im praktischen Einsatz erprobt.

Im Rahmen des dreijährigen Forschungsprojekts „ReNOx“ arbeitet der Lehrstuhl am Einsatz von Biogas und Gärresten bei der Zementproduktion. Das „Ionentauscher-Loop-Stripping“ genannte Verfahren zielt auf die Rückgewinnung und industrielle Verwertung von Ammonium aus Gärresten und Trübwässern ab und wurde von Projektleiter Dr. Markus Ellersdorfer im Rahmen seiner Dissertation entwickelt. Es verbindet einen Ionenaustauschprozess an natürlichem Zeolith mit simultaner Strippung der Regenerationslösung.

„Das Verfahren eignet sich besonders für Biogas- oder Kläranlagen mit hoher Stickstofffracht aus Co-Substraten, in denen es entweder zu vermehrten Kosten durch die Stickstoffrückbelastung oder zu Limitierungen bei der Gärrestausbringung auf landwirtschaftliche Flächen kommt“, so Ellersdorfer. In landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen können dadurch die Überdüngung und die Ausmaße der Nitratauswaschung ins Grundwasser bzw. Ammoniakverluste reduziert werden. Neben einem gereinigten Prozesswasser zur internen Nutzung kann das aus den biogenen Reststoffen gewonnene Ammonium industriell genutzt bzw. als Produkt verkauft werden, wodurch Abwasserreinigung, Biogaserzeugung und die Grundstoffindustrie zu einem ökonomisch und ökologisch vorteilhaften Gesamtsystem verbunden werden können.

„Weiter denken sehen wir bei Christof Industries als ein Teil unserer Unternehmensphilosophie. Das vom Lehrstuhl für Verfahrenstechnik vorbildhaft geführte Forschungsprojekt mit Universitäten, Forschungseinrichtungen und Anlagenbetreibern als Partner, bietet optimale Voraussetzungen uns mit diesem Bestreben einzubringen und Pionierarbeit zu leisten, um so noch effizientere Verfahren und Produkte, insbesondere im Bereich des ressourcenschonenden Umganges mit unserer Umwelt bereitzustellen“, unterstreicht Alfred Friedacher vom Anlagenbaupartner Christof Industries die gute Zusammenarbeit.

Das Projekt „ReNOx“ ist im Forschungsbereich „Renewable Materials Processing“ angesiedelt, welcher in den letzten Jahren von Ellersdorfer am Lehrstuhl neu aufgebaut wurde. Partner im Projekt „ReNOx“ sind Christof Industries, Lafarge sowie der AWV Knittelfeld und Umgebung, die BOKU Wien, das Energieinstitut an der JKU Linz und der Lehrstuhl für Rohstoffmineralogie der MUL. Das Projekt wird im Programm „Produktion der Zukunft“ durch die FFG gefördert und läuft noch bis Mitte 2017.

MUL Credit Christof Industries

Quelle: Montanuniversität Leoben

Weitere Informationen:
Dipl.-Ing. Dr.mont. Markus Ellersdorfer
Lehrstuhl für Verfahrenstechnik des industriellen Umweltschutzes
E-Mail: markus.ellersdorfer(at)unileoben.ac.at
Tel: +43 3842 402-5006

 

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