Neues Labor für Nachhaltiges Produktmanagement

2. April 2019

 

Rupert Baumgartner (r.), Leiter des Labors mit seinen Mitarbeitern Josef Schöggl und Lukas Stumpf (v.l.).

Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen spielen global eine immer wichtigere Rolle. Was aber sind die Kriterien, nach denen sich ökologische und soziale Nachhaltigkeit über die gesamte Lebensspanne eines Produkts und darüber hinaus zuverlässig bewerten lassen? Das neue Christian-Doppler-Labor für „Nachhaltiges Produktmanagement in einer Kreislaufwirtschaft“ an der Uni Graz will genau diese Kriterien erarbeiten. Ein Ziel ist es, Licht in das verworrene Netz der globalen Lieferketten zu bringen und wissenschaftlich fundierte Grundlagen für die Nachhaltigkeitsbewertung von Produkten und Dienstleistungen in einer Kreislaufwirtschaft zu erarbeiten. Dadurch soll der Einsatz von Ressourcen, Emissionen und Abfall v. a. in der Automobil- und Verpackungsindustrie reduziert werden.


 

Wie nachhaltig ist ein Produkt oder eine Dienstleistung? Eine Frage, die bei Kaufentscheidungen immer größere Bedeutung gewinnt. Dementsprechend überlegen auch Unternehmen mehr denn je, wie sie mit ihren Angeboten diesem Aspekt stärker Rechnung tragen können. Was aber sind die Kriterien, nach denen sich ökologische und soziale Nachhaltigkeit über die gesamte Lebensspanne eines Produkts und darüber hinaus zuverlässig bewerten lassen? Wie können die für diese Bewertung notwendigen Daten gesammelt werden? Und wie lassen sie sich sinnvoll nutzen, um Unternehmen bei der Entscheidung für ein sozial- und umweltverträgliches Design ihrer Angebote zu unterstützen? Die Beantwortung dieser Fragen ist Ziel der Forschung im Christian Doppler Labor für Nachhaltiges Produktmanagement in einer Kreislaufwirtschaft, das von den beteiligten Unternehmen und dem Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort gemeinsam finanziert und am 4. April 2019 an der Universität Graz eröffnet wird.

„Es geht nicht mehr nur darum, dass Gewinne sozial verwendet werden, sondern ob man nachhaltig produziert und wirtschaftet. Um die Nachhaltigkeit eines Produktes über den gesamten Lebenszyklus bewerten zu können, muss eine Vielzahl von Daten verarbeitet werden. Die Methoden der Digitalisierung bieten auch hier neue Chancen“, sagt Dr. Margarete Schramböck, Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort. „Das neue Wissen kann genutzt werden, um Produkte von Beginn an nachhaltig zu gestalten. So trägt die Digitalisierung einmal mehr zur Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft bei.“

 

Die Kreislaufwirtschaft ist ein Konzept, das aktuell großes Interesse weckt. Gemeint ist damit ein System, das auf Regeneration basiert. Dadurch soll der Einsatz von Ressourcen, Emissionen und Abfall reduziert werden. Wege dazu können unter anderem Instandhaltungsmaßnahmen, die Wiederverwendung oder das Recycling von Produkten sein. „Das bedeutet aber nicht, dass Kreislaufwirtschaft in jedem Fall den Anspruch sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit erfüllt“, weiß Nachhaltigkeitsforscher Rupert Baumgartner, Leiter des neuen CD-Labors an der Universität Graz.

Will man die Nachhaltigkeit eines Produkts, zum Beispiel eines Smartphones, beurteilen, ist man mit einem komplexen Zusammenhang vieler verschiedener Faktoren konfrontiert. Das beginnt bei der Förderung der Rohstoffe in Entwicklungsländern mit ihren Folgen für die Umwelt und den sozialen Umständen der dort beschäftigten ArbeiterInnen. Hinzu kommen die Bedingungen in der Produktion. Dann legt ein Smartphone meist noch einen weiten Weg zurück, etwa von Asien nach Europa. Überall fallen Emissionen an, wird Energie verbraucht. Und selbst am Ende der Lebensspanne des Geräts ist noch lange nicht Schluss. Hier beginnt der Prozess mehr oder weniger wieder von vorne. Die „entsorgten“ Smartphones wandern zu einem großen Teil wieder zurück in Länder des globalen Südens, wo die in ihnen verbauten wertvollen Rohstoffe rückgewonnen werden, um sie ihrer Wiederverwendung zuzuführen.

 

Wissenschaftliche Grundlagen zur Nachhaltigkeitsbewertung schaffen
Mit seinem Team wird Rupert Baumgartner in den kommenden Jahren Licht in das verworrene Netz der globalen Lieferketten bringen und wissenschaftlich fundierte Grundlagen für die Nachhaltigkeitsbewertung von Produkten und Dienstleistungen in einer Kreislaufwirtschaft erarbeiten. Partner im Rahmen des CD-Labors sind die Altstoff Recycling Austria Aktiengesellschaft (ARA) und iPoint, ein internationales Unternehmen im Bereich Software-Lösungen für Compliance und für nachhaltiges Produktmanagement.
Am Anfang steht die Erhebung von Informationen durch Umfragen bei Unternehmen, die sich in Richtung Kreislaufwirtschaft weiterentwickeln wollen, mit Schwerpunkt in der Automotive- und der Verpackungsindustrie. „Wir möchten wissen, welche Daten, die für eine Nachhaltigkeitsbewertung interessant sein könnten, von den Unternehmen gesammelt werden“, erklärt Josef Schöggl, Forscher im CD-Labor, und nennt als Beispiele „Energiebedarf, Emissionen, Herkunft der Rohstoffe, Arbeitsbedingungen, Abfall, Transportwege“. Zu ermitteln wird auch sein, ob die bisherigen Aufzeichnungen ausreichen oder wichtige Informationen noch gar nicht erhoben wurden.

Nach Klärung der Frage, welche Anforderungen ein nachhaltiges Produkt zu erfüllen hat, werden Baumgartner und sein Team effiziente Methoden zur Sammlung, Vernetzung und Auswertung der relevanten Daten entwickeln: „Die Digitalisierung eröffnet der Forschung hier ganz neue Möglichkeiten. Wir werden untersuchen, was das Internet of Things und Big Data für unsere Zwecke leisten können.“
Schließlich soll die Forschung auch einen anwendungsorientierten Nutzen für die Wirtschaft – und in weiterer Folge für die gesamte Gesellschaft – haben. „Wir möchten mit unseren Erkenntnissen die Basis für die Entwicklung praktischer Tools schaffen, die Unternehmen als Entscheidungshilfe für ein nachhaltiges Produktmanagement in der Kreislaufwirtschaft verwenden können“, unterstreicht Baumgartner.

 

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