Neue Recyclinganlage für Katalysatoren

6. Oktober 2020

 

In der Recyclinganlage der Treibacher Industrie AG werden verbrauchte Katalysatoren aus der Erdölindustrie aufbereitet und zu Wertstoffen verarbeitet. Rund 90 Millionen Euro will man in den Neubau der Anlage investieren, dadurch soll die Kapazität gesteigert und gleichzeitig die Emissionswerte weiter abgesenkt werden. Der Anteil an verwendbaren Wertstoffen soll mit dem Neubau der Anlage auf 99 Prozent steigen. Der Kreislaufprozess stellt einen Beitrag zum European Green Deal dar und erspart den Abbau von jährlich 500.000 Tonnen Erz.


 

Recycling von Katalysatoren aus der Erdölindustrie

Schwere Rohöle enthalten die Metalle Vanadium, Nickel und einen hohen Anteil an Schwefel – solche Rohöle werden in bestimmten Raffinerien in Europa in Spezialanlagen mithilfe von chemischen Katalysatoren zu hochwertigen Ölen bzw. Zwischenprodukten verarbeitet. Bei diesen Katalysatoren handelt es sich um wenige Millimeter große Partikel in Kugel- oder Würstchenform. Sie lösen einen chemischen Prozess aus, reichern sich um die Metalle Vanadium und Nickel sowie Schwefel an, und werden dann aus dem Prozess ausgestoßen. Die verbrauchten Katalysatoren, welche die Metalle Molybdän, Vanadium, Nickel, Schwefel und Öl enthalten, gelten dann als gefährlicher Abfall, der aufbereitet werden kann.

 

Kapazitätssteigerung und Senkung der Emissionswerte

In Treibach werden über 90 Prozent der Katalysatoren aufbereitet und zu Wertstoffen verarbeitet. Die Kapazität der neuen Anlage soll um rund zehn Prozent wachsen. Damit will man künftig 20 Prozent des europäischen Vanadium-Marktes bedienen – ein Metall, das auf der EU-Liste der kritischen Rohstoffe steht.

An die 90 Millionen Euro will man in die neue Recycling-Anlage investieren, da die Altanlage aus dem Jahr 1958 in Bezug auf Effizienz, Robustheit und die Möglichkeit zur Automatisierung beziehungsweise Digitalisierung an ihre Grenzen gekommen ist. „Gleichzeitig sollen mit dem Neubau der für die TIAG speziell hergestellten Anlage die Emissionswerte weiter abgesenkt werden“, erklärt Vorstand Rainer Schmidtmayer. Läuft die Anlage jetzt mit Erdöl, kommt dann CO₂-einsparendes Erdgas zum Einsatz.

Eine wesentliche Änderung soll sich durch die Verwertung des im Prozess entstehenden Schwefels zu Schwefelsäure ergeben, die in anderen Betrieben der TIAG eingesetzt wird und so nicht zugekauft werden muss. „Durch den Wegfall des Bezugs von außen können an die 240.000 Lkw-Kilometer eingespart werden“, rechnet Schmidtmayer vor.

In einem metallurgischen Schritt wird der Katalysator unter Zugabe etwa von Aluminium und Kalk zu Vanadium, Nickel und Molybdän, und diese in der Folge zu Ferrolegierungen verarbeitet, die an die Stahlindustrie geliefert bzw. nach Nordamerika, China und Korea exportiert werden. Der daraus erzeugte Stahl wird etwa für Werkzeuge, Autos und zum Bau von Hochhäusern verwendet.

 

Beitrag zum European Green Deal

Der Kreislaufprozess, der ein Beitrag zum Green Deal der EU sein soll, erspare den Abbau von jährlich 500.000 Tonnen Erz, das entspricht 25.000 Lkw-Ladungen, betont Vorstand René Haberl. Schwefel und Dampf, die beim Prozess entstehen, werden intern verwertet. Was bleibt, sind rund 200 Tonnen an Reststoffen, die deponiert werden müssen – der Anteil an verwendbaren Wertstoffen soll mit dem Neubau der Anlage auf 99 Prozent steigen.

 

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