Lebensgefühl, Innovation und Vision für die Stadt

9. Dezember 2013

 

Graz, die lebenswerteste Stadt Österreichs, hat viel zu bieten. Das mediterrane Flair der Landeshauptstadt zieht zahlreiche Touristen an und von dem breiten Angebot an Kultur, Natur und dem wirtschaftlichen Erfolg profitieren alle Bewohner gleichermaßen. Diese Kombination macht die Stadt natürlich auch für zahlreiche Menschen, die zum Studieren oder Arbeiten kommen, sehr attraktiv. Im Herzen des […]


 


Graz, die lebenswerteste Stadt Österreichs, hat viel zu bieten. Das mediterrane Flair der Landeshauptstadt zieht zahlreiche Touristen an und von dem breiten Angebot an Kultur, Natur und dem wirtschaftlichen Erfolg profitieren alle Bewohner gleichermaßen. Diese Kombination macht die Stadt natürlich auch für zahlreiche Menschen, die zum Studieren oder Arbeiten kommen, sehr attraktiv.


Im Herzen des innovativsten österreichischen Bundeslands, der Steiermark, mit einer Forschungsquote von 4,6 Prozent und einer Vielzahl von Universitäten und Forschungsstätten ist es schon vorgegeben, dass sich Graz als modernste Stadt Österreichs etablieren will. Die Unesco City of Design will sich mit zwei Leuchtturmprojekten international als „Güssing“ im Bereich ökologischer Bautechnologie und als Smart City präsentieren. In Hinblick auf die Zukunfts und Wettbewerbsfähigkeit der Kommune soll die Entwicklung hin zu einer energieeffizienten, ressourcenschonenden und emissionsarmen Stadt mit höchster Lebensqualität unter dem Schlagwort  „Smart City“ im Stadtentwicklungskonzept verankert werden.

Leuchttürme für Graz
Das „Smart City Project Graz Mitte“ wurde als österreichisches Leitprojekt definiert und mit einem Fördervolumen von 4,2 Millionen Euro dotiert, damit wird Graz zu einer Modellregion für
intelligente und nachhaltige Stadtentwicklung. In dem Areal hinter dem Hauptbahnhof, nahe der Helmut List Halle, soll erstmalig eine integrierte Umsetzung von neuen Energie-, Gebäude- und Mobilitätstechnologien über geförderte Demonstrationsprojekte stattfinden. Dem Anspruch eines Leuchtumprojekts wird wohl am besten mit dem Bau des „Science Tower“ Rechnung getragen. Über in die Gebäudehülle integrierte Technologien, wie der Grätzel-Zelle, die sogar diffuses Licht in Strom umwandeln kann und dabei sowohl umweltfreundlicher als auch günstiger als herkömmliche fotovoltaische Zellen ist, kann das Gebäude Strom erzeugen. Bei der Entwicklung dieses Stadtteils wird eine Aufteilung der Flächen von je 20 Prozent für Mobilität und Gewerbe und 60 Prozent für Wohnraum ngestrebt, sodass eine hohe Wohnqualität für die Bewohner gewährleistet wird.

Entwicklungen im Westen
Das zweite große Vorzeigeprojekt der Stadt ist die Entwicklung der Reininghausgründe im Grazer Westen zu eine nachhaltigen Stadtteil. Das Planungsgebiet umfasst 100 ha und soll Wohnraum für 16.000 Menschen bieten, in den sich dort ansiedelnden Betrieben sollen 5000 neue Arbeitsplätze entstehen. Auch hier wird großer Wert auf eine integrierte Planung gelegt, die eine kompakte Siedlungsstruktur mit einer durchdachten Infrastruktur, mit einem guten Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln, Fuß- und Radwegen sowie Einkaufsmöglichkeiten kombiniert. Mit diesem Großprojekt soll der Grazer Westen, der traditionell eher ein Arbeiterbezirk war, aufgewertet werden, bereits in den letzten Jahren wurden hier schon Impulse gesetzt, wie etwa die Erneuerung des Hauptbahnhofs mit der Nahverkehrsdrehscheibe, die Revitalisierung der Annenstraße und natürlich die Ansiedlung der FH Joanneum. Mit der Schaffung von attraktivem Wohn- und Geschäftsraum in diesem Teil von Graz wird einer Ghettoisierung gewisser Bezirke vorgebaut und die Lebensqualität aller Bewohner gesteigert.


Vision für Graz
Der Bürgermeister von Graz, Mag. Siegfried Nagl, hat klare Visionen für seine Stadt, er will, dass Graz nicht nur als City of Design und Unesco Weltkulturerbe, sondern auch als modernste Stadt Österreichs, wenn nicht gleich Europas, bekannt ist. Als starker Partner für die nachhaltige Entwicklung der Stadt ist sicher die Holding Graz als kommunaler Ver- und Entsorger zu sehen, der bereits zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Lebens- und Umweltqualität der Grazer Bürger, umgesetzt hat. Im Mobilitätsbereich wurde über die Nahverkehrsdrehscheibe ein optimaler Anschluss des öffentlichen Verkehrs an die regionalen und überregionalen Bahnverbindungen geschaffen. Mit dem Frischluftticket wird ein starker Anreiz gesetzt, gerade in der feinstaubintensiven
Jahreszeit auf umweltfreundliche, öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Im Recycling Center der Holding werden aus beinahe 50 Prozent des Abfalls wieder Rohstoffe gewonnen. In den letzten Jahren wurde die gesamte Stadtbeleuchtung auf energiesparenden LED-Lampen umgestellt, die Energie Graz hat im heurigen Jahr eine Fernwärme-Offensive gestartet, um mehr Grazer Bürger in den Genuss dieser umweltfreundlichen und unkomplizierten Wärmeversorgung kommen zu lassen. Mit dem Ökostromprodukt „Naturstrom“ setzt die Energie Graz verstärkt auf nachhaltige Energieversorgung für die Grazer Bevölkerung. Anhand dieser Beispiele wir deutlich, dass Graz auf dem besten Weg hin zu einer „Smart City“ ist.

Kosten senken durch Ressourcenschonung
Doch was ist das Geheimnis, das Graz so erfolgreich macht? Es ist wohl die richtige Mischung aus Kunst und Kultur, Bildung und Wissenschaft, Grünraum und Freizeitangeboten und wirtschaftlicher Stärke. Dieses reichhaltige und ausgewogene Angebot ist auch ein Grund dafür, dass sich hochqualifizierte, ausländische Fachkräfte der Arbeit wegen für Graz und die Steiermark entscheiden. Natürlich ist es nicht das Freizeitangebot allein, das die Landeshauptstadt so interessant macht, auch die ansässigen Firmen und Forschungseinrichtungen genießen international einen hervorragenden Ruf, vor allem auch aufgrund ihrer nachhaltigen Ausrichtung. Breits vor 20 Jahren wurde ein Modell entwickelt, das wesentlich zum Erfolg für die Grazer Unternehmen und die Stadt beigetragen hat: Ökoprofit. Ökoprofit steht für „Ökologisches Projekt Für Integrierte Umwelt- Technik“ und war ursprünglich ein Kooperationsprojekt zwischen Kommunen und der örtlichen Wirtschaft mit dem Ziel der Betriebskostensenkung unter gleichzeitiger Schonung der natürlichen Ressourcen, wie etwa Wasser oder Energie. Das Projekt wurde Anfang der 1990er Jahre in Graz von der Stadt Graz, vertreten durch das Grazer Umweltamt und der Arbeitsgruppe Stenum am Institut für Grundlagen der Verfahrenstechnik der TU Graz, entwickelt undtrat von dort aus seinen Siegeszug in dieganze Welt an.

Nachhaltig wirtschaften mit Ökoprofit
Die wesentlichen Bestandteile des Konzeptes sind gemeinsame Workshops der teilnehmenden Betriebe, in denen die Inhalte von Cleaner Production vermittelt und Vorortberatungen durch Ökoprofit-Berater durchgeführt werden. Bei dem Projekt werden produzierende Unternehmen, Dienstleister und Sozialeinrichtungen wie auch Handwerker gleichermaßen angesprochen. Die Betriebe werden nach einer etwa einjährigen Projektlaufzeit anhand eines Kriterienkatalogs, in dem etwa die Vorlage eines Abfallwirtschaftskonzeptes, die erfolgreiche Umsetzung von Maßnahmen, ein ambitioniertes Umweltprogramm, die Umweltpolitik, das Umweltteam und vieles mehr enthalten sind, geprüft und von der Stadt für ihre Leistungen ausgezeichnet. Für zahlreiche Betriebe ist die Teilnahme an einem Ökoprofit-Basisprogramm aber nur der erste Schritt, der Anreize setzt, ihr Umweltmanagementsystem normgerecht anzupassen, sich in weiterer Folge nach ISO 14001 zertifizieren zu lassen. Das Erfolgsrezept von Ökoprofit ist, dass anders als bei anderen nur auf den Einzelbetrieb ausgerichteten Umweltmanagementansätzen das Projekt auf die Bildung eines lokalen Netzwerks zum Umweltschutz abzielt. Viele Unternehmen treten nach einem Jahr im Basisprogramm einem Ökoprofit-Klub bei, in dem sie in regelmäßigen Workshops über neue Entwicklungen im Umweltrecht und über relevante organisatorische und technische Neuheiten informiert werden.

Das Erfolgsmodell läuft weiter
Was weit über 100 Grazer Ökoprofit-Betriebe in über 20 Jahren für sich und eine lebenswerte Umwelt erwirtschaftet haben, lohnt sich auch für Neueinsteiger. Das Grazer Umweltamt bietet für das kommende Jahr wieder ein Ökoprofit-Basisprogramm für Grazer Unternehmen über 20 Mitarbeitern an, das auch finanziell von der Stadt Graz und dem Land Steiermark unterstützt wird. Themen sind – gerade in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten – etwa der sparsame Umgang mit Ressourcen, rechtliche Neuerungen oder eine produktive Kommunikation zwischen Unternehmen, einschlägigen Experten und Verwaltung. Geboten werden Workshops, individuelle Beratung oder etwa die Qualifizierung zum Abfallbeauftragten. Die international anerkannte Zertifizierung als Ökoprofit-Betrieb haben unlängst internationale Aushängeschilder wie die Andritz AG, AVL List, Knapp, Magna, Marienhütte oder Siemens erhalten. Als Bildungs- und Kulturinstitutionen wurden die FH Joanneum, die Karl-Franzens-Universität, die Med-Uni, die Kunstuni oder das Next Liberty und das Orpheum kürzlich als Ökoprofit-Betriebe ausgezeichnet, ebenso wie die Gesundheitseinrichtungen des AUVA Unfallkrankenhauses, der Landesnervenklinik Sigmund Freud und die Geriatrischen Gesundheitszentren. Nicht zuletzt haben sich natürlich auch das Haus Graz selbst mit Energie Graz, Flughafen, Holding und Messe Ökoprofit zertifizieren lassen, man sieht also, Platz bei Ökoprofit haben Unternehmen aller Größen und Branchen. Insgesamt wurden 2013 45 Grazer Unternehmen ausgezeichnet, die insgesamt 289 Maßnahmen umgesetzt und damit wertvolle Ressourcen (2.007 MWh Strom, 8.359 MWh Wärmeenergie, 36.427 m³ Gas) und Umweltbelastungen (5.296 t CO2-Emissionen) eingespart und sich selbst rund zwei Millionen Euro erspart haben. Nun ist es sogar möglich, als Region am Ökoprofitmodell teilzunehmen, wie die Solidarregion Weiz oder das Vulkanland.

Voneinander profitieren
Gerade im Bereich der Nachhaltigkeit zeigt sich deutlich, dass Kooperation der langfristig erfolgreichere Weg ist. Das macht nicht nur das Beispiel von Ökoprofit deutlich, wo Unternehmen im Klub vom Gedankenaustausch profitieren, sondern auch von der gegenseitigen Befruchtung von Stadt und Land. Hervorragende Forschungseinrichtungen ziehen innovative Unternehmen in die Region, die wiederum zusätzliche helle Köpfe in die Steiermark und nach Graz ziehen. Auch auf steirischer Ebene gibt es Anstrengungen, die Nachhaltigkeit stärker im unternehmerischen Bewusstsein zu verankern, wie etwa die „Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit“, die als Gemeinschaftsinitiative des Landes Steiermark, der Wirtschaftskammer und der Steirischen Wirtschaftsförderung (SFG) das Ziel verfolgt, steirische Betriebe bei der Bündelung ihres ökonomischen, ökologischen und sozialen Erfolges zu unterstützen. Hier werden maßgeschneiderte Programme sowie die Beratung und Unterstützung durch qualifizierte Konsulenten angeboten, die Firmen dabei unterstützen sollen, die Kostenstruktur zu verbessern, neue Ideen für Produkte und Leistungen zu entwickeln, neue Geschäftsfelder zu erschließen oder bestehende Geschäftsfelder abzusichern. Mit dem „G’scheit feiern“- Modell wurde in der Steiermark auch ein wichtiges Zeichen für verantwortungsvolles Veranstaltungsmanagement gesetzt, durch den Einsatz von Mehrwegpfandbechern können Tonnen von Müll vermieden und massive Reinigungskosten gespart werden. Das Servieren von Spezialitäten aus der Region auf Porzellan stärkt nicht nur die regionale Wirtschaft, sondern steigert auch den kulinarischen Genuss im Vergleich zu Besteck und Tellern aus Plastik. All das sind nur einige wenige Projekte, die verdeutlichen, dass Graz und die Steiermark enormes Potenzial haben, die hervorragenden Voraussetzungen und der Wille zur ständigen Innovation sind mit Gründe dafür, warum sie auch in Zukunft erfolgreich bleiben werden. In den letzten Jahren hat sich die Steiermark zu einem Hot Spot für Umwelttechnologien entwickelt und mit der Eco World Styria den weltbesten Umwelttechnik-Cluster, was natürlich die besten Voraussetzungen für eine weitere nachhaltige Entwicklung setzt.

Wirtschaftsnachrichen – Nachhaltigkeitsbericht, 29. November 2013

 

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