Grünes Herz, grünes Hirn

18. Oktober 2012

 

Wie Gebäude von Energiefressern zu Energielieferanten werden sollen


 

Von Graz aus, nach einer gut halbstündigen Autotour durch grüne Hügel und kleine Ortschaften, geht es plötzlich rechts ab in eine Straße namens Innovationspark. Sie führt zu einem großen Glaskasten, der nicht recht in das Landschaftsidyll passt: Es ist der Sitz der Firma Hans Höllwart – Forschungszentrum für integrales Bauwesen (Fibag). Das Gebäude enthält nicht nur die Labore und Büros der 25 Mitarbeiter – es ist an sich ein einziges Labor. Denn in dem Zentrum, das der steirische Unternehmer Hans Höllwart 2006 mit privatem Geld gründete, dreht sich alles darum, wie Energietechnik sich in Fassaden integrieren und ein Gebäude sich technisch so ausstatten lässt, damit die CO2-Emission sinkt, oder netto sogar Energie produziert wird.

„40 Prozent der gesamten Energie wird in Gebäuden verbraucht, und 60 Prozent aller Menschen weltweit leben inzwischen in Städten“, sagt Mario Müller, Fibag-Vorstand und fährt fort: „Ganzheitliche Energielösungen zu entwickeln, trägt wesentlich zum Klimaschutz bei.“ Acht Projekte laufen derzeit, ein Aushängeschild ist die Multifunctional Plug & Play Facade. An diesem Projekt, gefördert unter anderem von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft, sind die Technischen Universitäten Graz und Wien beteiligt sowie elf Unternehmen, darunter Strabag und der steirische Entsorgungs- und Recyclingkonzern Saubermacher. Mit 6,3 Mio. Euro entwickelt das Konsortium multifunktionelle Fassaden, die Technologien nach Belieben vereint, etwa Solarthermie, Fotovoltaik und dezentrale Wärme-, Kälte- und Lufteinbringung. Damit sollen laut Müller ab kommendem Jahr, nach fünfjähriger Entwicklungsarbeit, Neubauten und auch bestehende Gebäude die Energieeffizienz erhöhen können.


Innovationen an Fassaden – ein Beitrag zum Klimaschutz aus der Bauwirtschaft, deren Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) ansonsten vernachlässigbar sind. Im Fibag-Radius von einer Autostunde finden sich nach Angaben von Eco World Styria rund 180 Unternehmen, die alle auf ihre Weise zum Klimaschutz beitragen. 2010 wählte die Cleantech-Gruppe das Green Tech Valley Styria zum besten Cluster für saubere Energien weltweit. Laut der Studie des US-amerikanischen Investorennetzwerks verzeichnet die Steiermark die höchste Dichte an Umwelttechnikfirmen, die zusammen ein überdurchschnittliches jährliches Wachstum aufweisen. Darüber hinaus hebt Cleantech die Innovationskraft der steirischen Betriebe hervor.

Tatsächlich liegt die F&E-Quote im Eco-World-Styria-Cluster mit 4,4 Prozent über der österreichischen von geschätzten 2,8 Prozent im laufenden Jahr. „Unser Hauptziel ist es, Innovationen zu fördern. Bis 2015 möchten wir auf 20 Technologieführer im Green Tech Valley kommen“, erklärt Bernhard Puttinger, Geschäftsführer von Eco World Styria. Die Mitgliederliste liest sich schon jetzt gut: Der Maschinen- und Anlagenbauer Binder+Co setzt in der Altglassortierung weltweit Maßstäbe, die Firma KWB gehört zur Spitze, wenn es ums Heizen mit Biomasse geht, und der Grazer Konzern Andritz ist ein internationaler Big Player für Wasserkraft.

Den gesamten Artikel lesen Sie im nachstehenden Artikel.

Financial Times Deutschland, 12.10.2012

 

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