post

Ein Hitzeschild für die Stadt

23. Juli 2015

 

 

800×600

In der Stadt wird Hitze zur Qual. Drückende, heiße Stadtluft führt für viele Stadtbewohner zu einer sommerlichen Dauerbelastung. Gesundheitliche Probleme und Produktivitätseinbrüche gehören genauso dazu wie körperliches und seelisches Unwohlsein. In Österreich steigt der Stromverbrauch an Hitzetagen, das sind jene Tage an denen der Tageshöchstwert der Lufttemperatur zumindest 30°C beträgt, gegenüber dem an normalen Tagen (25°C) durchschnittlich
um drei Prozent an. Gesucht sind nun energieeffiziente Maßnahmen, um städtische Wärmeinseln einzudämmen beziehungsweise
zu vermeiden. RESOURCES, das Institut für Wasser, Energie und Nachhaltigkeit der Joanneum Research hat gemeinsam mit der Zentralanstalt für Meteorologie undGeodynamik (ZAMG) im Rahmen des FFG-Programms „Stadt der Zukunft“ das Sondierungsprojekt KELVIN durchgeführt, das zwei vielversprechende Möglichkeiten für ein kühleres Stadtklima hervorgebracht hat: Mit Dachbegrünungen sowie mit verbessertem Rückstrahlvermögen der Dächer und Fassaden könnte man um die Hälfte weniger Hitzetage in der Wiener Innenstadt haben.

Zahlen, Daten, Fakten
Der UHI-Effekt (Urban Heat Islands =
Städtische Wärmeinseln) ist ein mikroklimatisches Phänomen, dessen Folgen sich in unterschiedlichen Bereichen zeigen. Im Kontext des Klimawandels ist eine Verschärfung des UHI-Effekts zu erwarten.
Anhand von Luftbildern wurde innerhalb des Projekts eine  Kategorisierung der Dacharten Wiens durchgeführt, mit dem
Ergebnis, dass auf die Gesamtfläche von Wien mit ca. 41.500 Hektar ca. 13 % auf Dachflächen entfallen, die sich wiederum aus ca. 3.500 ha schrägen und 1.900 Hektar flachen Dächern zusammensetzen.

Das Magistrat der Stadt Wien stellt im
Rahmen von Umweltgut einen Gründachpotentialkataster (https://www.wien.gv.at/umweltgut/public/grafik.aspx?ThemePage=10#t)
zur Verfügung, demnach ein Anteil von ca. 45 Prozent aller Dachflächen Wiens für Begrünungsmaßnahmen geeignet ist. Dieses Potenzial wurde bis dato mit zwei Prozent nahezu nicht genutzt, jedoch in den Modellberechnungen berücksichtigt. Simuliert man die Nutzung der potenziell geeigneten Dachflächen als Gründächer,zeigt sich hinsichtlich der Reduktion an Hitzetagen ein Effekt in derselben
Größenordnung wie bei Änderungen des Rückstrahlvermögens (Albedo), dessen reale Umsetzung sich aus bautechnischer Sicht jedoch schwieriger gestalten dürfte, als der eventuelle Einsatz hochreflektierender Materialien.

Generell ist aber eine Umsetzung des
Dachbegrünungs-, als auch Fassadenbegrünungspotenzials sehr wünschenswert und in Bezug auf eine positive Beeinflussung des UHI-Effekts auch überaus sinnvoll.

In Modellexperimenten wurde das Rückstrahlvermögen von Gebäudeoberflächen und versiegelten Flächen, die sogenannte Albedo, verändert, und deren Auswirkungen auf die städtische Hitzebelastung untersucht. Auf diese Weise können die Auswirkungen der
Verwendung moderner Baumaterialien mit unterschiedlicher Albedo simuliert werden. Beispielsweise führt eine flächendeckende Anwendung hochreflektierender Dachdeckungen in Wien mit einem Rückstrahlvermögen von ca. 70 Prozent in Kombination mit der Annahme einer vollen Umsetzung des vorhandenen Gründachpotenzials, zu einer signifikanten Abnahme der Anzahl an Hitzetagen, die in der Inneren Stadt bis zu 29 Prozent und in zentrumsferneren Bereichen wie der Hohen Warte bis zu 20 Prozent beträgt, basierend auf den Werten derKlimanormalperiode 1981-2010.

https://www.zamg.ac.at/cms/de/forschung/klima/datensaetze/klimanormalperiode-198120132010.

Fügt man nun zusätzlich hochreflektierende Gebäudefassaden und versiegelte Flächen den Modellberechnungen als „theoretisches Gesamtpotenzial“ hinzu, so könnten, nach vorläufigen Ergebnissen, sogar Reduktionen von Hitzetagen in Bereichen wie der Hohen Warte bis zu 45 Prozent und um bis zu 53 Prozent für die Wiener
Innenstadt erreicht werden (Abbildung 2). Die Prozentzahlen bedeuten
umgerechnet auf die Stadt Wien ein Stromeinsparungspotenzial – bei
gleichbleibender derzeitiger Kühlleistung – von ca. 400-700 MWh pro Jahr. Damit könnten auch zwischen 175 und 300 tCO2 Äquivalente an Treibhausgasemissionen eingespart werden. Effekte hinsichtlich des Humankomforts und andere positive Aspekte hinsichtlich des verminderten Phänomens städtischer Wärmeinseln sind dabei noch nicht mitberücksichtigt.

JOANNEUM RESEARCH – THE INNOVATION COMPANY

Die JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH entwickelt Lösungen und Technologien für Wirtschaft und Industrie in einem breiten Branchenspektrum. Rund 455 Mitarbeitende der Innovationsschmiede betreiben Spitzenforschung auf internationalem Niveau an den  Standorten Graz, Wien, Weiz, Hartberg, Niklasdorf und Leoben.

RESOURCES – das Institut für Wasser, Energie und Nachhaltigkeit
zielt auf zukunftsorientierte Lösungen im Sinne eines nachhaltigen Umgangs mit natürlichen Ressourcen und der Natur ab. Produkte, Services und Technologien des Instituts sind auf Innovationen zum Schutz der Wasserressourcen, zur klimaschonenden Bereitstellung von Energie und zur nachhaltigen Nutzung von biogenen Rest- und Wertstoffen ausgerichtet.

Kontakt:
DI Dr. Hannes Peter SCHWAIGER, Dipl.-Umwelttechniker
JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH
RESOURCES – Institut für Wasser, Energie und Nachhaltigkeit
Elisabethstrasse 18
8010 Graz, Austria
Tel.: _43 316 876 1316
Mob.: _43 664 602 876 1316
Mailto: hannes.schwaiger@joanneum.at

Normal
0

21

false
false
false

DE-AT
X-NONE
X-NONE

MicrosoftInternetExplorer4

<w:LsdException Locked="false" Priority="63" SemiHidden="false"
</B–>

Grüne Fassaden

Hannes Schwaiger und Neil Bird

 

Weitere News zu diesem Thema

Start für Einreichung zum Green Tech Summer Graz 21

Du studierst an einer Uni oder Hochschule und hast eine Idee für ein Klimaschutz-Startup? Dann bewirb dich für den Green Tech Summer Graz! mehr →


Aufbruch in eine grüne Finanz-Zukunft

Das Austrian Green Investment Pioneers Programm von klimaaktiv in Kooperation mit dem Umweltbundesamt erleichtert Unternehmen, Banken und Investoren den Einstieg in grüne Projekte und unterstützt beim Auf- und Ausbau zukunftsweisender und nachhaltiger Geschäftsmodelle, die einen Beitrag zur Erreichung der österreichischen Klima- und Energieziele leisten. mehr →


Stromversorgung von Sensoren durch Vibrationen

Wie können drahtlose und unzugänglich verbaute Sensoren nachhaltig mit Energie versorgt werden? Dieser Frage widmet sich das EU-Projekt SYMPHONY. mehr →