Zero Waste bei Saubermacher – Da bleibt nichts übrig

16. September 2014

 

Saubermacher folgt der Leitidee „Zero Waste“. Auf den ersten Blick ein ungewöhnlicher Ansatz für ein Unternehmen, das sich mit Reststoffverwertung beschäftigt. Wir haben Ralf Mittermayr, Vorstand Markt, getroffen, um über Motive, Überlegungen und theoretische Ansätze von „Zero Waste“ zu diskutieren.Die Saubermacher Dienstleistungs AG ist längst mehr als ein einfacher Entsorger. Nun hat sie sich einem […]


 

Saubermacher folgt der Leitidee „Zero Waste“. Auf den ersten Blick ein ungewöhnlicher Ansatz für ein Unternehmen, das sich mit Reststoffverwertung beschäftigt. Wir haben Ralf Mittermayr, Vorstand Markt, getroffen, um über Motive, Überlegungen und theoretische Ansätze von „Zero Waste“ zu diskutieren.

Die Saubermacher Dienstleistungs AG ist längst mehr als ein einfacher Entsorger. Nun hat sie sich einem neuen Thema zugewandt: Zero Waste. Was bedeutet das genau?

Mit „Zero Waste“ verfolgt Saubermacher das Ziel, keinen Abfall zu hinterlassen. Unser Anspruch ist es dabei, sämtliche Stoffe kreislauffähig zu machen. Das bedeutet, sie am Ende Ihres Lebenszyklus so aufzubereiten, dass immer höhere Anteile des Ursprungsprodukts oder -stoffs recycelt und damit in einen (fast unendlichen) Kreislauf geführt werden können.

Welche Auswirkungen hat Zero Waste auf das Unternehmen und seine tägliche Arbeit?

Zu allererst ist Zero Waste eine Grundhaltung, die mit den Gedanken „Kreislauffähigkeit“ und „keine Verschwendung“ einhergeht. Bei Saubermacher durchleuchten wir sämtliche Abläufe dahingehend, sie wirksam und möglichst „abfallfrei“ zu gestalten. Dies bedeutet nicht nur, Abläufe in unseren Kernprozessen zu optimieren, sondern erstreckt sich auch auf die Verwaltungsbereiche, indem wir grundsätzliche Überlegungen anstellen, wie wir unsere begrenzten Ressourcen optimal einsetzen können.

Im Idealmodell von Zero Waste wird kein Abfall mehr deponiert oder verbrannt. Alles soll recycelt und in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden. Wie sehen die Verhältnisse von Deponierung und thermischer Verwertung zu stofflichem Recycling derzeit aus?

Im Bereich der nicht gefährlichen Abfälle steht es ungefähr 50:50. Während bei Papier, Metall, Glas und Biomüll der Kreislauf beinahe geschlossen ist, das heißt 90 Prozent und mehr recycelt werden können, landen beim Restmüll 100 Prozent auf der Deponie oder in der Müllverbrennung. Der Hintergrund ist Folgender: einmal in der Restmülltonne angelangt, ist eine Trennung in recyclingfähige und nicht recyclingfähige Stoffe mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten nicht wirtschaftlich zu betreiben. Das heißt aber auch, dass wir auf die Mithilfe der BürgerInnen angewiesen sind. Je genauer getrennt wird und je weniger im Restmüll landet, desto mehr Stoffe können wieder in den Kreislauf gebracht werden und stehen als Sekundärrohstoffe wieder zur Verfügung.

Welche Schritte sind nötig, um auch den letzten Rest stofflich verwerten zu können, wo liegen die größten Herausforderungen?

Zu allererst einmal bei der Konzeptionierung von Produkten. Hier ist es wesentlich, dass sich die Designer nicht nur über die Wahl der eingesetzten Materialien im Hinblick auf ein mögliches Recycling Gedanken machen, sondern auch wie viele unterschiedliche Stoffe bei einem einzelnen Produkt zum Einsatz kommen und auf welche Art sie miteinander verbunden werden. Beim Recycling ist es wesentlich, die einzelnen Komponenten wieder „auseinandernehmen“ zu können. Für untrennbar miteinander verbundene Komponenten oder Produkte, die gefährliche Stoffe enthalten, bleibt daher oftmals nur die thermische Verwertung als sichere Lösung. Aber natürlich forschen wir auch im Rahmen unserer Kernkompetenz, der Sammlung, Sortierung und Aufbereitung. Hier gilt es, bessere, effizientere Trenn- und Sortiermethoden zu entwickeln, die gleichzeitig wirtschaftlich betrieben werden können. Denn Zero Waste hat nur eine Chance, wenn wir ein konkurrenzfähiges Geschäftsmodell dahinterlegen können. Denn immerhin sind unsere Mitbewerber die großen Rohstoffproduzenten.

Wo trennt sich die Theorie von der Praxis? Ist der vollständige Stoffkreislauf in der Realität überhaupt umsetzbar?

Es ist ein schönes und herausforderndes Ziel und entspricht den Unternehmenswerten von Saubermacher, Verantwortung für Mensch und Umwelt zu übernehmen. In einem unserer Pilotprojekte zu Zero Waste konnten wir einen dreistufigen Maßnahmenplan entwickeln, der einen geschlossenen Kreislauf für 99 Prozent der anfallenden Stoffe möglich macht. Und das obwohl bereits derzeit 85 Prozent der Stoffe im Kreislauf geführt werden.

Wird das Modell des vollkommenen Stoffkreislaufs von der kolportierten Rohstoffknappheit begünstigt? Immerhin schreibt auch die EU in ihren Abfall-Richtlinien immer höhere Recyclingraten vor.

Natürlich spielt die Diskussion um nicht erneuerbare Ressourcen eine Rolle. Dinge sind eben nur begrenzt vorhanden, das ist die eine Seite. Die andere Seite ist aber, unseren Planeten lebenswert zu erhalten bei gleichzeitig stetigem Bevölkerungswachstum und einer steigenden Anzahl von Menschen, die sich Konsumgüter leisten können. Um Wohlstand auf Generationen abzusichern, wird es unerlässlich sein, Stoffe im Kreislauf zu führen und für die Produktion mehrfach nutzbar zu machen.

Je kostspieliger die Primärproduktion eines Werkstoffs ist, desto eher lohnt sich dessen Recycling. Braucht die Entsorgungswirtschaft diesen Druck von außen um neue und wirkungsvollere Technologien entwickeln zu können?

Nein, es ist unsere Kernkompetenz, Reststoffe zu übernehmen und Technologien zu entwickeln und einzusetzen, die geeignet sind, mehr Stoffe wieder als Rohstoffe zur Verfügung zu stellen. Der Wettbewerb mit dem Primärrohstoffmarkt ist dabei ja nicht per se schlecht. Nur wenn wir wettbewerbsfähige Lösungen entwickeln, die Sekundärrohstoffe auch für Abnehmer nachhaltig interessant machen, wird Zero Waste langfristig Erfolg haben.

Zero Waste ist eine Bewegung, die sich aber längst nicht nur auf Recycling beschränkt. Wo setzt diese Idee wirklich an?

Zero Waste ist ein strategisches Ziel, für dessen Erreichung es einen grundlegenden Systemwechsel benötigt, der weit über die Grenzen der Abfallwirtschaft hinausgeht und bereits bei unserer Art zu leben, zu wirtschaften, zu produzieren und zu konsumieren ansetzt. Abfall wird als Symbol der Ineffizienz unserer modernen Gesellschaft gesehen, die sich in einer Fehlallokation von Ressourcen widerspiegelt. Diese Fehlallokation bedarf einer grundlegenden Neuaufstellung von Produktion, Distribution und Konsumption.

Ohne die drei Rs (Reduce, Reuse, Recycle) geht gar nichts mehr. Ist die Frage nach deren Bedeutung mittlerweile auch Teil eines typischen Saubermacher-Bewerbungsgesprächs?

Wir haben das Glück, dass sich bei uns viele Menschen bewerben, die einen Beitrag zu einer lebenswerten Umwelt leisten wollen. Damit kommen sie schon wegen der drei Rs und wir brauchen sie nicht mehr danach fragen.

Inwieweit wird die Philosophie auch in anderen Bereichen umgesetzt? Saubermacher hat ja vor fast zwei Jahren den ersten Hybrid-LKW der Entsorgungsbranche in den Fuhrpark aufgenommen.

Das würde eine lange Liste ergeben – hier ein kleiner Ausschnitt: neben dem Saubermacher Ecoport, einem der wenigen klima:aktiv-zertifizierten Gebäuden, haben wir eine Richtlinie, dass sämtliche Investitionen auch nach ökologischen Kriterien bewertet werden. So haben bei uns nur noch alternative Heizsysteme eine Chance, wir arbeiten an einer Umstellung der Verkaufsunterlagen von Print auf elektronisch, Drucksorten sind aus Recyclingprodukten, wir machen Workshops und Inforunden zum Sparen von Energie, unsere Abfuhrerinnerungen werden in naher Zukunft vor allem elektronisch erfolgen, wir forcieren die elektronische, papierlose Kommunikation mit unseren KundInnen, betreiben Umwelterziehung für alle Altersklassen und, last but not least, versuchen wir auch gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden eine Philosophie der „neuen Bescheidenheit“ zu leben.

Sieht Saubermacher sein Engagement mit Zero Waste eigentlich auch als Teil seiner sozialen Verantwortung? Das Unternehmen nimmt hier doch eine Vorreiterfunktion ein. Oder ist es eine rein wirtschaftliche Überlegung?

Das hoffe ich doch stark. Saubermacher hat von Unternehmensgründung an nicht nur für die eigene Branche eine Vorreiterrolle übernommen. Wir wollen zum Mitmachen und Nachmachen anregen und dabei natürlich wirtschaftlich sein.

Welche Ziele setzt sich Saubermacher also mit Zero Waste?

Saubermacher ist Vorreiter darin, Ressourcen in den Kreislauf rückzuführen bzw. im Kreislauf zu halten. Wir begleiten unsere Partner bei diesem Prozess und sehen uns als relevantes Bindeglied zwischen Konsumenten und Produzenten.

Quelle: Saubermacher Blog, Beitrag „Da bleibt nichts übrig“, Autor Matthias / 12.09.2014
Zum Original-Blog-Beitrag auf www.intheloop.at gelangen Sie HIER.

 

Weitere News zu diesem Thema

Hackathon für den Klimaschutz

Die dramatische Warnung des Weltklimarats zur Erderwärmung erfordert jetzt ein rasches gemeinsames Handeln für eine lebenswerte Zukunft. mehr →


Nachlese: Green Tech Innovators Club

Am Dienstag, 2. Oktober fand das beliebte Querdenken beim Green Tech Innovators Club in der ehrwürdigen Aula der Karl-Franzens-Universität statt. mehr →


Technologieführer wachsen schneller

Die diesjährige Konjunkturerhebung der steirischen Green Tech Branche zeigt eindrucksvoll, dass Forschung und Entwicklung in der Umwelttechnik eine Schlüsselrolle spielt. mehr →