Vom Feld in den Tank

16. April 2015

 

Bis 2020 müssen 10 Prozent erneuerbare Treibstoffe am Markt sein, die innerhalb ihres Lebenszyklus (ab 2017) mindestens 50 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen verursachen als Benzin oder Diesel. Nach Berechnungen der JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft spart in Österreich erzeugter Biodiesel wegen des hohen Anteils an Altspeiseöl bereits 58 Prozent an Treibhausgas-Emissionen, europaweit gibt es aber noch viel zu […]


 

Bis 2020 müssen 10 Prozent erneuerbare Treibstoffe am Markt sein, die innerhalb ihres Lebenszyklus (ab 2017) mindestens 50 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen verursachen als Benzin oder Diesel. Nach Berechnungen der JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft spart in Österreich erzeugter Biodiesel wegen des hohen Anteils an Altspeiseöl bereits 58 Prozent an Treibhausgas-Emissionen, europaweit gibt es aber noch viel zu tun.

Graz, März 2015: Im Jänner 2015 fand in Brüssel das Kick-off Meeting zum EU-Projekt „Improving the sustainability of fatty acid methyl esters (FAME=Biodiesel)“ statt. Die Europäische Kommission gab eine Untersuchung in Auftrag, die wesentliche Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit im Lebenszyklus der Biodieselerzeugung hervorbringen soll. Die europäische und nationale Gesetzgebung sieht in der Renewable Energy Directive (RED) und Fuel Quality Directive (FQD) vor, dass bis 2020 10 Prozent erneuerbare Treibstoffe am Markt sein müssen. Diese geforderten erneuerbaren Treibstoffe müssen im Lebenszyklus im Vergleich zu Benzin und Diesel mindestens 35 Prozent – und ab 2017 mindestens 50 Prozent – Treibhausgas-Emissionen einsparen. Die Einsparung hängt vom Rohstoff ab: Bei Verwendung von Pflanzenölen liegt man auch in Österreich noch deutlich unter 50 Prozent, mit Reststoffen wie Altspeiseöl und Tierfett deutlich (58 Prozent) darüber. Es kommt also auf die Rohstoffmischung an.

Auch diverse andere Nachhaltigkeitskriterien – wie zum Beispiel Herkunftsnachweise von Rohstoffen – sollen erfüllt werden. Status quo in Europa ist, dass Biodiesel aus pflanzlichen Ölen derzeit die 50-prozentige Reduktion an Treibhausgas-Emissionen nicht erreichen. Aus diesem Grund müssen Maßnahmen festgelegt werden, die zur Verbesserung der Treibhausgasbilanz führen und bis 2017 umgesetzt werden können.

Gemeinsam mit BDI – BioEnergy International AG, ALTERRA (Wageningen UR), Wageningen University (Wageningen UR) und Fraunhofer UMSICHT untersucht die Joanneum Research insgesamt zehn Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit von Biodiesel. Dafür werden im Rahmen von Lebenszyklusbetrachtungen – vom Anbau über die Verarbeitung bis zur Transportdienstleistung – vor allem die Treibhausgas-Emissionen, die Kosten sowie die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken analysiert und zusammenfassend bewertet. Die wesentlichen Ergebnisse werden in „Fact Sheets“ präsentiert. Projektleiter Dr. Gerfried Jungmeier von RESOURCES – Institut für Wasser, Energie und Nachhaltigkeit der Joanneum Research freut sich, die Ausschreibung der Europäischen Kommission gewonnen zu haben: „Wir sind sehr stolz, dass es uns gelungen ist, gemeinsam mit dem steirischen Anlagenbauer BDI diese europaweite Ausschreibung der Kommission zu gewinnen. Das ist für uns ein Zeichen dafür, dass die hervorragenden steirischen Kompetenzen bei der Biodieselerzeugung und der Nachhaltigkeitsbewertung auch in Europa geschätzt werden. Wir sind schon sehr gespannt, welche der Maßnahmen das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis haben werden und zeitnah realisiert werden können“.

Die Lebenszyklusanalyse
Da die landwirtschaftliche Produktion der Rohstoffe und die Produktion von Biodiesel aus eben diesen Rohstoffen die zwei wesentlichen Anteile der Treibhausgas-Emissionen im Lebenszyklus von Biodiesel ausmachen, setzen die zu bewertenden Maßnahmen in diesen beiden Bereichen an. Hinterfragt werden sowohl verbesserte landwirtschaftliche Anbaumethoden und neue Ölpflanzen, als auch Verbesserungen und Weiterentwicklungen von Biodieselanlagen. Der Fokus liegt auf der Strom- und Wärmeversorgung und auf dem Einsatz von Methanol. Ergänzend werden Optionen untersucht, wie aus den Reststoffen der Biodieselerzeugung, z.B. Stroh oder Glycerin, auch Biochemikalien erzeugt werden können. Neben der möglichen Treibhausgas-Reduktion werden auch die Kosten sowie andere umsetzungsrelevante Aspekte untersucht und bewertet.

Biodiesel kann aus verschiedenen öl- und fetthaltigen Rohstoffen erzeugt werden. In Europa sind das hauptsächlich Raps-, Soja-, Sonnenblumen- und Palmöl sowie Altspeiseöl und Tierfett. In Österreich wird Biodiesel zu 70 Prozent aus Pflanzenölen, zu 20 Prozent aus Altspeiseöl und zu 10 Prozent aus Tierfett erzeugt. Biodiesel wird in Europa hauptsächlich zu konventionellem Diesel beigemischt. In Österreich enthält jeder Liter Diesel bereits 7-Volumsprozent Biodiesel (B7). Reiner Biodiesel (B100) wird auch in bestimmten Fahrzeug-Flotten, z.B. in der „Grünen“ Busflotte der Graz Linien, eingesetzt.

Die fertigen Maßnahmen-Fact-Sheets werden der Industrie, der Landwirtschaft und der öffentlichen Verwaltung die Rahmenbedingungen darlegen, welche der zehn Maßnahmen am günstigsten und schnellsten zur Verbesserung der Nachhaltigkeit von Biodiesel eingesetzt werden können.

Die JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH entwickelt Lösungen und Technologien für Wirtschaft und Industrie in einem breiten Branchenspektrum. Rund 430 Mitarbeitende der Forschungsgesellschaft betreiben Spitzenforschung auf internationalem Niveau an den Standorten Graz, Wien, Klagenfurt, Weiz, Hartberg, Niklasdorf und Leoben.

RESOURCES – das Institut für Wasser, Energie und Nachhaltigkeit zielt auf zukunftsorientierte Lösungen im Sinne eines nachhaltigen Umgangs mit natürlichen Ressourcen und der Natur ab. Produkte, Services und Technologien des Instituts sind auf Innovationen zum Schutz der Wasserressourcen, zur klimaschonenden Bereitstellung von Energie und zur nachhaltigen Nutzung von biogenen Rest- und Wertstoffen ausgerichtet.

Facts & Figures
Projekt: Tender ENER/C2/2013/628 „Improving the sustainability of fatty acid methyl esters (FAME – Biodiesel)“. Die Ausschreibung erfolgte von der Europäischen Kommission. Projektstart ist Jänner 2015, die Laufzeit beträgt 13 Monate. Die JOANNEUM RESEARCH koordiniert das Projekt, als Partner agieren die BDI – BioEnergy International AG (AT), ALTERRA (Wageningen UR, NL), Wageningen University (Wageningen UR, NL) und Fraunhofer UMSICHT (DE).

Kontakt:
DI Dr. Gerfried Jungmeier
JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH
RESOURCES – Institut für Wasser, Energie und Nachhaltigkeit
Energie und Bioresourcen
Elisabethstraße 18/II
A-8010 Graz
Tel: +43 (0) 316 876 1313
E-Mail:
gerfried.jungmeier@joanneum.at  
http://www.joanneum.at/

Credit: BDI, BioDieselanlage Le Havre, Frankreich (Estener)

 

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