Steiermark ist Musterland der Abfallwirtschaft

26. November 2010

 

Von der Umweltbombe Deponie zum Umwelttechnikcluster: Weil die Steirer aktiv mitmachten, wurde das Land in nur 25 Jahren zu einem Musterland der Abfallwirtschaft.Vieles bleibt HandarbeitDer Anfang war düster, übel riechend und zerstörerisch für die Umwelt. Was in den steirischen Haushalten an Mist und Müll anfiel, wanderte einst in den Mistkübel und von dort auf irgendeine […]


Von der Umweltbombe Deponie zum Umwelttechnikcluster: Weil die Steirer aktiv mitmachten, wurde das Land in nur 25 Jahren zu einem Musterland der Abfallwirtschaft.
Vieles bleibt Handarbeit

Der Anfang war düster, übel riechend und zerstörerisch für die Umwelt. Was in den steirischen Haushalten an Mist und Müll anfiel, wanderte einst in den Mistkübel und von dort auf irgendeine Deponie. Von solchen wilden Müllablagerplätzen gab es 1975 noch 422 im Land, 176 Gemeinden hatten gar keine Müllabfuhr.

Diese tatsächlich zum Himmel stinkenden Zustände konnten nur im totalen Chaos enden. Im Sommer 1985 – vor 25 Jahren – stand Graz auf einmal ohne eigene Mülldeponie da. Der Müllplatz am Köglerweg im Süden der Stadt war voll, und kaum jemand wusste in der zweitgrößten Stadt Österreichs, wie es weiter gehen soll.

Das Netzwerk
In knapp 20 Jahren entstand in der Steiermark ein dichtes Netz von rund 600 Abfallanlagen der verschiedensten Arten. Davon sind nur noch rund 50 Deponien.

Wenn er an diese Zustände zurückdenkt, schüttelt es Wilhelm Himmel direkt vor Abscheu. Aber der oberste steirische Abfallmanager in der Landesregierung ist einer, der vorwärts schaut. Als einer der Männer der ersten Stunde bei der Neuausrichtung des Müll- und Abfallwesens im Lande kann er für sich und zahllose Mitstreiter heute eine stolze Bilanz ziehen.

Bei der Mülltrennung sind die Steirer Weltspitze. Von 421 Kilo Müll, die heute pro Kopf und Jahr registriert werden, sind nur noch 168 Kilo problematischer Restmüll. Der große Rest wird als Altpapier, Altglas, Biomüll oder Verpackungsstoff umwelt- und jobfreundlich wiederverwertet.

Die Stoffe
Heute sammeln die Bürger getrennt Papier, Kunststoffverpackungen, Glas, Metalle und Biomüll. Sturzplätze nehmen Sperrmüll und Gartenabfälle auf. Auf Firmenebene gibt es noch tiefer gehende Trenn- und Sammelsysteme. So wird Altspeiseöl der Gastronomie längst zu Biodiesel veredelt. Es gibt hoch technisierte Sammel- und Verwertungssysteme für Elektro- und Elektronikschrott.

Da es bis in die Achtzigerjahre hinein praktisch keine Mülltrennung gab, lässt sich der enorme Effekt hochrechnen. Rund vier Millionen Tonnen steirischen Abfalls konnten in den letzten 25 Jahren durch Trennung und Recycling von Deponien ferngehalten werden, das Achtfache der heutigen Jahresmüllmenge.

Der Cluster
Der Firmencluster Eco World Styria umfasst steirische Unternehmen, die im Bereich Umwelttechnologie tätig sind. Dazu gehören Industriefirmen wie Andritz AG, Sattler Textil, Binder & Co, Komptech, KWB, GAW Armaturen oder Christof. Dazu Entsorger wie Saubermacher oder AEVG sowie zahlreiche öffentliche oder private Forschungs-, Entwicklungs- oder Serviceeinrichtungen.

Diese Umkehr hat unerhörte Effekte. Rund 60 Prozent der Haushaltsabfälle werden heute wiederverwertet. Das heißt, hier entstehen Nachfrage, Unternehmen und Arbeitsplätze. Aus dem Mist wurde ein Milliardengeschäft. Der Entsorgungsmulti Saubermacher hat fast 4000 Beschäftigte und kommt heuer auf mehr als 250 Millionen Euro Umsatz. Komptech in Frohnleiten hat sich zu einer Firmengruppe mit 450 Mitarbeitern gemausert.

Die Branche hat sich zu einem eigenen Cluster – Eco World Styria – zusammengefügt, ein Netzwerk von 150 Firmen mit 13.400 Beschäftigten allein im Bereich Umwelttechnik. US-Experten wählten ihn erst heuer zum „weltbesten Green Tech Cluster“. Und das Wichtigste: Die Umwelttechnik war weltweit die einzige Produktionsbranche, die der Wirtschaftskrise trotzte.

Doch die Unternehmer haben sich nicht verselbstständigt. Der Ökocluster ist kein Verbund geldgieriger Kapitalisten, sondern wird im Gesellschafterausschuss weiterhin von dem Beamten und Pionier Wilhelm Himmel gelenkt, der am Beginn dieser Entwicklung stand.

Quelle: Kleine Zeitung / 23.07.2010

 
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