Sonnige Aussichten

17. April 2018

 

Beflügelt von 35 Prozent jährlichem Marktwachstum in Europa besuchten 350 Branchenexperten aus 33 Ländern von 11. bis 12. April die fünfte internationale Konferenz für solare Fernwärme in Graz. Es wird erwartet, dass Solarthermie 2018 erstmals einen Beitrag von mehr als einer Terawattstunde (1 Mrd. Kilowattstunden) zur Fernwärmeversorgung beitragen wird. Bis ins Jahr 2050 soll dieser Anteil auf 240 Terawattstunden wachsen, immerhin 15 Prozent des gesamten europäischen Fernwärmebedarfs. Mit dem Plan das Fernwärmenetz vollständig zu dekarbonisieren, war Graz der optimale Gastgeber der diesjährigen Konferenz. Zur CO2-neutralen Versorgung sollen dann unter dem Stichwort „BIG SOLAR“ bis zu 450.000 Quadratmeter Solarthermie-Kollektoren beitragen.


 

35 Prozent Marktwachstum für solare Wärmenetze

 

Internationale Konferenz für Solarthermie in der Fernwärmeversorgung mit Teilnahmerekord in Graz

Beflügelt von 35 Prozent jährlichem Marktwachstum in Europa diskutierten von 11.-12.April 350 Branchenexperten auf der fünften internationalen Konferenz für solare Fernwärme im österreichischen Graz den Stand der Technik und Strategien zur weiteren Marktentwicklung.

Sonnige Aussichten sehen die Wissenschaftler und Branchenvertreter auch für die kommenden Jahre. Werner Lutsch, Präsident des europäischen Fernwärmeverbandes Euroheat&Power, erwartet, dass die Solarthermie 2018 erstmals einen Beitrag von mehr als einer Terawattstunde (1 Mrd. Kilowattstunden) zur Fernwärmeversorgung beitragen wird. Im Jahr 2050 soll der Anteil der leitungsgebundenen Solarwärme nach Einschätzung von Experten auf 240 Terawattstunden wachsen, was dann 15 Prozent des gesamten europäischen Fernwärmebedarfs entsprechen soll. Angesichts des durchschnittlichen Wachstums der vergangenen fünf Jahre von jeweils 35 Prozent, sieht Lutsch die Solar- und die Fernwärmebranche auf gutem Weg zu diesem Ziel. Zumal beide inzwischen gemeinsam an einem Strang zögen, so der Verbandspräsident: „Es ist eine nachhaltige Verbindung zwischen den Industriebranchen der Solarthermie und der Fernwärme geschaffen worden.“

Gute Fortschritte macht dabei nicht mehr nur das Vorreiterland Dänemark, wo derzeit bereits in weit über 100 Städten und Gemeinden Solarthermieanlagen einen Beitrag zur Fernwärmeversorgung leisten – meist zwischen 15 und 60 Prozent. Auch beispielsweise in Österreich, Deutschland, Frankreich, Schweden ist die seit Jahrzehnten bewährte Technologie der netzgebundenen Solarthermie stark im Kommen. Das Spektrum der realisierten Anlagen reicht dabei von der Quartiersversorgung in städtischen Wohngebieten, über Solar-Bioenergiedörfer, in denen im Sommer die gesamte Wärmelast von der Sonne gedeckt wird, bis zu gigantischen Freilandanlagen mit bis zu 100 Megawatt Leistung wie im dänischen Silkeborg.

 

Österreich in führender Rolle

Mit insgesamt 61.000 m2 geförderter Kollektorfläche für solare Großanlagen, gehört Österreich zu den führenden Ländern in diesem Zukunftsmarkt. „Mit den von uns geförderten Anlagen leisten wir nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende und nachhaltigen Deckung unseres Wärmebedarfs. 163 solare Großanlagen in ganz Österreich zeigen mittlerweile, dass Solarthermie in diesem Sektor funktioniert und diese Anlagen dienen als Vorbild für neu entstehende Projekte. Wir bauen Know-how bei heimischen Betrieben auf und machen diese fit für den globalen Wettbewerb“, freut sich Ingmar Höbarth, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds, der die Tagung unterstützt hat.

 

Solarhochburg Graz

Aus insgesamt 33 Ländern sind Interessenten zur Konferenz nach Graz gekommen, so dass die Teilnehmerzahl sich gegenüber der Vorgängerveranstaltung 2016 im dänischen Billund verdoppelt hat. Die Tagungsleiter Christian Fink, von AEE – Institut für Nachhaltige Technologien in Gleisdorf und Thomas Pauschinger vom Steinbeis Forschungsinstitut Solites in Stuttgart werten dies als sehr positives Signal für die Nutzung der Solarthermie in Fernwärmenetzen. Pauschinger betont, dass die EU-Kommission diese Form der internationalen Zusammenarbeit zur Marktbereitung solarer Wärmenetze verlässlich fördere: „Diese Konferenz konnte auch dank der Unterstützung der EU, die 2009 begann und bis heute anhält, so erfolgreich entwickelt werden.“ Fink sagt: „Ziel unserer Tagung ist es, Fachleute und Umsetzer zusammen zu bringen und diesen wichtigen Impuls für neue konkrete Projekte zu nutzen.“

Besonders angeregt wurde während zweier Exkursionen gefachsimpelt, die zu solaren Wärmenetzen im Umfeld von Graz führten. Denn die Stadt wurde nicht zufällig zum Gastgeber der diesjährigen Konferenz. Die zweitgrößte Stadt Österreichs plant, ihr Fernwärmenetz vollständig zu dekarbonisieren. Zur CO2-neutralen Versorgung sollen dann unter dem Stichwort „BIG SOLAR“ bis zu 450.000 Quadratmeter Solarthermie-Kollektoren beitragen. Vorstandssprecher Christian Purrer von der Energie Steiermark bekräftigte diese Absicht während der Konferenz: „Es ist unser erklärtes Ziel, den Anteil erneuerbarer Energie in der Wärmeversorgung in den kommenden Jahren deutlich zu steigern, um Versorgungssicherheit mit noch mehr Nachhaltigkeit zu kombinieren. Dabei nimmt die Solarthermie in Verbindung mit großen Wärmespeichern, wie etwa in unserem Konzept zum Großprojekt BIG SOLAR Graz, eine wesentliche Rolle ein.“

 

Hintergrundinformation: 5. Internationale Konferenz für solare Fernwärme (5th International Solar District Heating Conference)

Von 11. bis 12. April 2018 trafen sich internationale Fernwärme- und Solarexperten aus über 30 Ländern um sich über die neuesten Konzepte und Entwicklungen im Bereich der solaren Fernwärme auszutauschen. Veranstaltet wurde die Konferenz von AEE INTEC, dem AGFW | Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e. V. (Verband der 250 größten Fernwärmenetzbetreiber in Deutschland, Österreich und der Schweiz) und dem Steinbeis Forschungsinstitut Solites.

von links: Werner Prutsch (Environmental Agency, City of Graz), Christian Fink (AEE INTEC), Christian Purrer (Energie Steiermark), Birgit Strimitzer-Riedler (Land Steiermark), Theodor Zillner (Ministry of Traffic, Innovation and Technology), Ingmar Hobarth (Austrian Climate and Energy Fonds), Werner Lutsch (Euroheat & Power and AGFW) und Christian Maas (Authority for Environment and Energy, City of Hamburg).

 

Weitere News zu diesem Thema

Einzigartiger Green Tech Hub eröffnet

Als österreichweit einzigartiges Projekt wurde der neue Green Tech Hub im Science Tower feierlich eröffnet. mehr →


Crowdfunding: Balkon-Kraftwerk nimmt 160.000 Euro-Hürde

Schon in den ersten Tagen der Crowdfunding-Kampagne hat das steirische Start-up EET die Hürde von 160.000 Euro genommen. mehr →


Eisfreie Windräder

Inzwischen wird bereits jedes zweite Windrad in Österreich mit einem Eisdetektionssystem von eologix ausgestattet. mehr →