Rückblick Strategieforum „Kommt das Ende der Passivhausförderung?“

8. Februar 2012

 

Bringt die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden die bisherigen Förderungen ins Wanken?Am 03. Februar 2012 veranstaltete die AEE INTEC in Kooperation mit dem Landesenergiebeauftragten der Steiermark, DI Wolfgang Jilek, ein „Strategieforum“ zu dem sehr aktuellen Thema „Kommt das Ende der Passivhausförderung?“Die Bundesländer beginnen derzeit, die für Österreich relevante, neue OIB Richtlinie 6 (Okt. 2011) – auch eine […]


Bringt die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden die bisherigen Förderungen ins Wanken?

Am 03. Februar 2012 veranstaltete die AEE INTEC in Kooperation mit dem Landesenergiebeauftragten der Steiermark, DI Wolfgang Jilek, ein „Strategieforum“ zu dem sehr aktuellen Thema „Kommt das Ende der Passivhausförderung?“

Die Bundesländer beginnen derzeit, die für Österreich relevante, neue OIB Richtlinie 6 (Okt. 2011) – auch eine Folge der EU Gebäuderichtlinie 2010 – in ihre Baugesetze zu übernehmen und ihre Wohnbauförderungen anzupassen. Oberösterreich ist hier „Vorreiter“, wie Dr. Gerhard Dell – Energiebeauftragter dort – als erster Vortragender erläuterte. Es hat im Zuge der Wohnbauförderungsänderungen ab 1.1.2012 die Bestimmungen für Eigenheime im Sinne einer Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden geändert.

Diese Änderungen in Oberösterreich schließen zwar die Förderung von Passivhäusern nicht aus, diese heißen dort „Minimalenergiehäuser“ und bekommen die Maximalförderung. Diese Minimalenergiehäuser können aber auch über den Gesamtenergieeffizienzfaktor (fGEE) erreicht werden. Förderbar sind auch Eigenheime bis zu 45 kWh/m²a Nutzheiz-Energiekennzahl (NEZ*, d.h. HWB ohne Einrechnung der Wärmerückgewinne aus Lüftungsanlagen), wenn Vorgaben beim Heizsystem eingehalten werden. Bisher waren die Förderungen vor allem auf niedrigem Heizwärmebedarf (HWB), nicht auf der Gesamtenergieeffizienz aufgebaut.

Diese aktuellen Entwicklungen in der Umsetzung der EU Gebäuderichtlinie 2010 boten Anlass zu folgenden Fragen:
Darf der Einsatz Erneuerbarer Energieträger die thermisch-energetische Qualität von Gebäuden verfälschen?
Ist energieeffizientester Baustandard, wie ihn z.B. das Passivhauskonzept vorgibt, im Licht der Gesamtenergieeffizienz zweitrangig?
Darf der HWB, als immerhin einziger Kennwert, der die Qualität der Gebäudehülle und der Wärmerückgewinnung aus der Lüftung bewertet, nun in Frage stehen?

DI Wolfgang Jilek brachte in seinem Referat vor allem die Europäische Perspektive der Diskussion ein und sagte, dass der Weg zu immer besseren Gebäudestandards seitens der EU vorgezeichnet sei. Die EU Gebäuderichtlinie 2010 ist nur ein Zwischenschritt. Die weiteren Vorgaben sind im Bereich der „life cycle analysis“ und dem „(economic) cost optimum“ zu erwarten. Die Energieausweise nach OIB Richtlinie 6 (Oktober 2011) sind jedenfalls ein wichtiger Schritt, weil sie vier verschiedene Kennwerte auf der ersten Seite zulassen und Flexibilität bei der Definition der Anforderungen durch die Länder bieten.

Für DI Johannes Fechner, seinerseits klima:aktiv Bildungskoordinator und GF 17&4 Organisationsberatung, steht außer Frage, dass Flexibilität gut ist, aber Maßnahmen und auch Fördergeld am besten in langlebiger Bausubstanz, als eine Art „Haushaltversicherung“ angelegt sind.

Die Impulsreferate zum Thema eröffnete Ing. Franz Gugerell, MSc (GF IG Passivhaus Österreich), der die Ermittlung des Gesamtenergieeffizienzfaktors (fGEE) als Beitrag zu einer guten Gebäudequalität in Frage stellte. Der zweite Impuls kam von DI Martin Leitl (Vorsitzender der Berufsgruppe Ziegel des Fachverbands der Stein- und Keramischen Industrie Österreichs und selbst GF der Leitl-Werke), der auf eine geglückte Umsetzung der EU Gebäuderichtlinie 2010 im Sinne der Gesamtenergieeffizienz und der Wahlmöglichkeit verschiedener Gebäudekonzepte in Oberösterreich verwies. Ing. Ewald Selviĉka (GF von AEE INTEC) unterstrich die Bedeutung einer nachhaltigen Reduktion des Energieeinsatzes, speziell auch im Gebäudesektor. Die Energiewende hin zu Erneuerbaren Energieträgern und damit auch hohen Deckungsraten in der Solarthermie kann nur so gewährleistet werden.

Die Vorträge und Impulsreferate lieferten ausreichend Anhaltspunkte für eine lebendige einstündige Diskussion: Unter der Moderation von DIin Franziska Trebut (ÖGUT) wurden weniger die zukünftigen Förderungen, als vielmehr die prinzipiellen Vor- und Nachteile der neuen Energiekennzahlen, Grenzwerte und Berechnungsmethoden und ihre Berechtigung zur Definition von Gebäudekonzepten wie das Passivhaus diskutiert.

Im Resümee der Diskussion, auch aller Vortragenden, war klar, dass das Passivhaus sehr wohl auch in der Förderlandschaft Zukunft hat, auch wegen der vielen Behaglichkeitsaspekte. Aber sozusagen sein bisheriges Alleinstellungsmerkmal als höchst förderbare Gebäudequalität (im Sinne des HWB) wird es durch die Gesamtenergieeffizienz und deren Weiterentwicklungen verlieren.

Die Vorträge und Impulsreferate stehen Ihnen im Downloadcenter zur Verfügung: Downloadcenter

Quelle: AEE INTEC
Zum Originaltext auf der Website der AEE INTEC gelangen Sie HIER.

 
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