Holz als Treibstofflieferant der Zukunft

19. Januar 2016

 

Bioenergy 2020+ errichtet in Güssing eine in Europa einzigartige Pilotanlage für Biotreibstoffe der 2. Generation, in der mithilfe der Fischer Tropsch (FT) Synthese Kerosin und Diesel aus Holz gewonnen wird. Mit der Anlage passiert ein deutliches Upscaling von wenigen kg auf über 100 kg pro Tag. Damit geht man einen weiteren Schritt in Richtung Unabhängigkeit von fossilen Treibstoffen, trägt wesentlich zur Verbesserung der Treibhausgasemissionen bei und macht eine ökonomische Herstellung von Biotreibstoffen möglich.


BIOENERGY 2020+ forscht und entwickelt bereits seit Jahren am Standort Güssing, um Diesel und Kerosin aus Holz herzustellen. Nun soll in einem neuen Projekt eine Pilotanlage errichtet werden, um die Wirtschaftlichkeit der Produktion von Biotreibstoffen der zweiten Generation noch zu verbessern.

BIOENERGY 2020+ benutzt bereits seit 2004 einen Slurry Reaktor zur Fischer Tropsch (FT) Synthese, um Diesel und Kerosin aus Holz herzustellen. Der Verbrauch von fossilen Treibstoffen wird reduziert und es gibt keinen Wettbewerb mit der Nahrungsmittelproduktion.
Anstatt Abfälle mit niedrigem Wirkungsgrad zu verbrennen, wird sauberer Treibstoff produziert, der wesentlich zur Reduktion von Treibhausgasemissionen beitragen kann und zusätzlich auch mit geringeren Schadstoffemissionen im Dieselmotor verbrennt. Grund dafür ist die hervorragende Qualität des FT-Diesels. Durch den Zusatz eines FT-Treibstoffes zu herkömmlichem fossilen Diesel erhält man Treibstoff mit Premium Qualität.

Im neuen Projekt, welches eine Laufzeit von 4 Jahren hat, wird eine Anlage mit 1 barrel/Tag (159 Liter/Tag), statt bisher 5kg/Tag realisiert. Damit wird ein wichtiger Schritt zur Maßstabsvergrößerung durchgeführt und wertvolle Erkenntnisse am Weg vom Labor bis zur Industrieanlage gewonnen. Speziell das Strömungsverhalten des Slurry Reaktors wird hier messtechnisch evaluiert, um so für das up-scaling auf Industriegröße genügend verlässliche Daten zu haben. Zusätzlich wird der Prozess auch wirtschaftlich optimiert, damit in Zukunft
eine ökonomische Herstellung von Biotreibstoffen der zweiten Generation möglich ist.

Die Hauptarbeiten im Rahmen dieses Projektes werden die Errichtung einer, in Europa in dieser Art einzigartigen Pilotanlage und die Durchführung von relevanten Versuchen an dieser sein. Unterstützt und untermauert werden die Forschungstätigkeiten durch Simulationen des Gesamtprozesses. Am Ende des Projektes soll der so produzierte Treibstoff unter realen Bedingungen an modernen Dieselfahrzeugen am Driving Camp Pachfurth, in der Nähe von Wien, getestet werden.

Das Kick-Off-Meeting zu diesem Projekt findet am 5. November 2015 in Güssing bei BIOENERGY 2020+ statt. Die Projektleitung hat DI Dr. Reinhard Rauch, Areamanager des Kompetenzzentrums inne. Als wissenschaftliche Partner nehmen die Technische Universität Wien und zwei F&E Institute aus Tschechien (VUANCH und Universität für Chemie und Technologie in Prag) teil. Unternehmenspartner sind GREG (Güssing Renewable Energy GmbH, die Biomassekraftwerk Güssing GmbH & CO KG, Bilfinger Bohr- und Rohrtechnik
GmbH und die beiden Raffinerien Unipetrol und PKN Orlen S.A.

Projektdauer: 4 Jahre
Projektkosten: 2,500.000,–
Fördergeber: Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG
Fördervolumen: 45 %

Zitat DI Dr. Walter Haslinger (CEO BIOENERGY 2020+): „Die Umsetzung von Technologien zur Herstellung von Biotreibstoffen der zweiten Generation leidet an einem Mangel erfolgreicher Demonstrationsprojekten. Mit der 1 barrel per day Anlage schaffen wir eine international sichtbare Pilotanlage, an der in industriell relevantem Maßstab geforscht und weiterentwickelt werden kann.“

Zitat Vinzenz Knor (Bürgermeister von Güssing): „Als Bürgermeister freut es mich, dass es zur Ausweitung dieser Forschungsarbeiten im Bereich des Fischer-Tropsch-Diesel- Flüssigkeit Projektes kommt. Ohne Forschung gibt es keine Weiterentwicklung. Wenn man Anhänger der erneuerbaren Energie ist, dann müssen viele Dinge in der Forschung weiterentwickelt werden um besser und effizienter zu werden. Dies ist aber auch in Zeiten sinkender Ölpreise und Schwierigkeiten im Bereich der Holzindustrie besonders notwendig.
Zeiten ändern sich – auch Energiepreis und Abhängigkeiten. Wenn man für die Energiezukunft gerüstet ist, ist dies ein Vorteil für die Menschen und eine Chance für unsere
Region.“

Zitat Dr. Walter Mayrhofer (CEO FTI Burgenland GmbH): „Das Burgenland hat sich in seiner Strategie für Forschung, Technologie und Innovation u.a. der nachhaltigen Energieerzeugung und –nutzung verschrieben. Die 1 barrel per day Anlage am Standort Güssing ist ein ideales Beispiel für die Verbindung von Hochtechnologie mit regionaler Wertschöpfung und wird ein weit über Österreich hinaus sichtbares Zeichen der Energiewende sein.“

Zitat Mag. Stephan Neisser (CEO Biomassekraftwerk Güssing): „Die FT-Technologie ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch richtungsweisend hier in Europa. Für uns als Güssing Renewable Energy Group bedeutet das ein klares Bekenntnis zum Standort Güssing, an dem wir weiterhin österreichische Technologie und österreichisches Know-how entwickeln und in die Welt hinaustragen wollen.“

Zitat Landesrat MMag Alexander Petschnig: „Die Erzeugung von Biokraftstoff und die damit verbundene Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen sowie die Minimierung des  Schadstoffausstoßes ist das Ziel der Forschung. Maßnahmen, die zur Umsetzung und zur Marktreife solcher Technologien dienen, sind daher auf allen Ebenen tatkräftig und finanziell zu unterstützen.“

Zitat DI Dr. Reinhard Rauch (Areamanager BIOENERGY 2020+): „Man kann jeden kohlenstoffhaltigen Einsatzstoff zur Produktion verwenden. Sowohl Kunststoffe, Abfälle als auch landwirtschaftliche Nebenprodukte. Dadurch ergeben sich zwei Vorteile: Der Treibstoff ist erneuerbar und die Qualität ist höher als beim fossilen Diesel.“

BIOENERGY 2020+ GmbH ist ein K1 Kompetenzzentrum, das sich mit Forschung, Entwicklung und Demonstration im Sektor der energetischen Nutzung von Biomasse beschäftigt. Der Firmensitz befindet sich in Graz. Außenstellen sind in Güssing und Wieselburg, sowie Forschungsstätten in Pinkafeld und Tulln.

Projektleitung:
DI Dr. Reinhard Rauch,
Areamanager BIOENERGY 2020+ GmbH,
Tel: 03322/42606-152,
reinhard.rauch@bioenergy2020.eu,
Wienerstraße 49, 7540 Güssing, www.bioenergy2020.eu

Kontakt:
Mag. Claudia Peternell,
Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit,
Tel. 0316/873-9207,
claudia.peternell@bioenergy2020.eu
Inffeldgasse 21 b, 8010 Graz,
www.bioenergy2020.eu

 
Zurück zur Übersicht
 
 

Weitere News zu diesem Thema

Österreichs größtes Bürgerbeteiligungskraftwerk

In der Weststeiermark wurde die größte Photovoltaik-Anlage Österreichs mit Bürgerbeteiligung eröffnet. mehr →


Neueste Entwicklungen im Nachhaltigkeitsreporting

Aktuell bewegt sich einiges – und Nachhaltigkeitsreporting ist damit nicht mehr nur etwas ganz Freiwilliges für grüne Vorzeigeunternehmen mehr →


Grüne Wärme für Straßburg

Das Büro für Erneuerbare Energie Ing. Leo Riebenbauer war federführend bei der Planung der Biomasse-Nahwärme-Heizung für ein europaweites Vorzeigeprojekt in Straßburg. mehr →