EU-Projekt ANIMPOL an der TU Graz: Biokunststoff aus Tierabfall

9. Februar 2012

 

Gibt es einen nachhaltigen Weg aus dem „Plastikzeitalter“ und welche konkreten Szenarien sind denkbar? Spätestens seit der aufsehenerregenden Dokumentation „Plastic Planet“ stellen sich viele Menschen diese Frage. Wissenschafterinnen und Wissenschafter der TU Graz forschen gemeinsam mit europäischen Partnern im EU-Projekt „ANIMPOL“ an völlig neuen Prozessen zur Herstellung von biologisch abbaubaren Kunststoffen und Biotreibstoffen auf der […]


Gibt es einen nachhaltigen Weg aus dem „Plastikzeitalter“ und welche konkreten Szenarien sind denkbar? Spätestens seit der aufsehenerregenden Dokumentation „Plastic Planet“ stellen sich viele Menschen diese Frage. Wissenschafterinnen und Wissenschafter der TU Graz forschen gemeinsam mit europäischen Partnern im EU-Projekt „ANIMPOL“ an völlig neuen Prozessen zur Herstellung von biologisch abbaubaren Kunststoffen und Biotreibstoffen auf der Grundlage von Schlachtabfällen. In einem bereits erfolgreich beendeten, von derselben Forschungsgruppe an der TU Graz koordinierten Projekt (WHEYPOL) wurde der Abfallstoff Molkelaktose als Rohstoff für die Biokunsstoffherstellung verwendet.

„Welche Rohstoffe sind für die Produktion von Biokunststoffen verfügbar, ohne in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion zu stehen“, diese Problematik stand am Ausgangspunkt des EU-Projektes ANIMPOL. Auf fossile Brennstoffe sollte dabei jedenfalls verzichtet werden. Im drei Millionen Euro schweren Projekt arbeiten unter der Leitung der TU Graz seit Jänner 2010 elf europäische Institutionen zusammen.


Kunststoffe aus dem Schlachthaus

Das Team um Projektleiter Martin Koller vom Institut für Biotechnologie und Bioprozesstechnik der TU Graz stieß dabei auf Berge von Abfällen der europäischen Schlachtindustrie. Rund eine halbe Million Tonnen Lipide, d. h. Fette fallen jährlich aus Schlachthöfen und Tierkörperverwertungsanstalten europaweit ab, der Großteil wird verbrannt. Im Rahmen von ANIMPOL haben die Forschenden ermittelt, dass sich aus einer Tonne dieser Lipide 0,7 Tonnen Biokunststoff herstellen lässt. Pflanzliche Rohstoffe wie Kohlenhydrate aus Zucker oder Glucose ergeben im Gegensatz dazu nur etwa eine halbe Tonne. In beiden Fällen wird mit Hilfe von Bakterien der Ausgangsstoff für die Bio-Polymere hergestellt, aus denen dann der „grüne“ Kunststoff resultiert. „Die höhere Ausbeute bei der Produktion aus Fetten liegt darin begründet, dass die eingesetzten Mikroben Lipide effizienter zum Endprodukt verarbeiten als Kohlenhydrate“, erklärt Martin Koller. Generell liegt der Vorteil von Biokunststoffen darin, dass sie biologisch abbaubar und mit anderen biologischen Stoffen kompatibel sind. Dies macht sie besonders geeignet für die medizinische Verwendung, sei es in Form von Implantaten oder Nahtmaterial. Neben der Verarbeitung in nachhaltige Kunststoffe prüft das ANIMPOL-Forschungsteam auch, ob es möglich ist, aus Tierabfällen effizientere Biokraftstoffe herzustellen. Bis Ende 2012 werden die Beteiligten an der Erzeugung von biologischen Kraft- und Kunststoffen aus Tierabfällen weiterforschen. Danach soll eine Pilotanlage errichtet werden, um die neu entwickelten Prozesse in der Praxis zu testen. Die Schlachtabfälle dafür stellt das steirische Unternehmen Reistenhofer zur Verfügung.


Verborgenes Potential: Abfall aus Käseerzeugung

Auf der Suche nach alternativen Rohstoffen für die Kunststofferzeugung kamen die Forschenden im bereits erfolgreich beendeten WHEYPOL-Projekt neben Tierabfällen einem weiteren vielversprechenden Abfallprodukt auf die Spur: Wenn Käse erzeugt wird, entsteht als Restflüssigkeit Molke, wobei ein Liter Milch nahezu einen Liter Molke ergibt. Für die Weiterverwertung bedeutet das 40 bis 50 Gramm Laktose als Ausgangsstoff für die Herstellung von Biokunststoff per verarbeitetem Liter Milch. Eine Pilotanlage für die Produktion von Biokunststoff hätten die Forschenden zum Beispiel in Oberitalien angedacht, wo pro Tag eine Million Liter Molke als Abfall ins Meer entsorgt werde, klärt Martin Koller auf. Die Errichtung ist bislang am mangelnden politischen Willen gescheitert.

Rückfragen
Dipl.-Ing. Dr.techn. Martin Koller
Institut für Biotechnologie und Bioprozesstechnik, TU Graz
+43 (0)316 873 8409
martin.koller@tugraz.at 


Quelle: portal.tugraz.at / 31.01.2012
Zum Originaltext auf der Website der TU Graz gelangen Sie HIER.

 
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