Cluster und Internationalisierung

9. August 2010

 

Wien APA-ZukunftWissen – Um internationale Märkte erschließen und an transeuropäischen Wissens- und Forschungsnetzwerken partizipieren zu können, müssen sich auch Cluster- und Netzwerkinitiativen dementsprechend positionieren und Präsenz zeigen. Eine Reihe von Initiativen innerhalb und außerhalb der heimischen Cluster zielt deshalb darauf ab, Export- und Innovationsaktivitäten mit dem nötigen grenzüberschreitenden Weitblick zu kombinieren.Nach einem Rückgang des heimischen […]


Wien APA-ZukunftWissen – Um internationale Märkte erschließen und an transeuropäischen Wissens- und Forschungsnetzwerken partizipieren zu können, müssen sich auch Cluster- und Netzwerkinitiativen dementsprechend positionieren und Präsenz zeigen. Eine Reihe von Initiativen innerhalb und außerhalb der heimischen Cluster zielt deshalb darauf ab, Export- und Innovationsaktivitäten mit dem nötigen grenzüberschreitenden Weitblick zu kombinieren.

Nach einem Rückgang des heimischen Außenhandels von 19,9 Prozent 2009 wird „der Weg zurück steinig“, wie Wirtschaftskammer ( WKÖ )-Präsident Christoph Leitl in einem Konjunkturausblick für 2010 prognostizierte. „Wir werden aber Tempo machen, um wieder auf einen Erfolgskurs zurückzukehren“, betonte er. Der wieder deutlich wachsende globale Handel – laut Wifo-Prognose nimmt der Welthandel 2010 um sieben Prozent zu – soll das ermöglichen. Leitl will auf den Zug des wieder zunehmenden Welthandels aufspringen und bereits heuer wieder die Exportmarke von 100 Mrd. Euro in Österreich überschreiten. Das wäre ein Plus von zumindest sechs Prozent. Auch die Zahl der Exporteure soll heuer um 2.000 auf 40.000 steigen, hofft der WKÖ-Präsident.

Eine wichtige Säule zur Unterstützung der Exportwirtschaft ist die Internationalisierungsoffensive von WKÖ und Wirtschaftsministerium ( BMWFJ ). Nach der im Vorjahr beschlossenen Fortführung und Neudotierung der Aktion stehen dafür nun pro Jahr 25 Mio. Euro zur Verfügung. 19 Mio. Euro davon sind für die Weiterführung des Maßnahmenpakets „go international“ der WKÖ vorgesehen, also den praxisorientierten Teil. Der Rest fließt unter anderem in eine Technologie-Offensive gemeinsam mit der Forschungsförderungsgesellschaft ( FFG ) oder in zusätzliche Förderungen für die Austrian Business Agency ( ABA ), um mehr regionale Headquarter internationaler Konzerne nach Österreich zu locken. Für die Weltausstellung 2010 in Shanghai stehen zusätzlich 16 Mio. Euro bereit.

Potenzial für österreichische Exporteure ortet Leitl vor allem in Ländern mit unverändert hohen Wachstumsraten wie zum Beispiel China, Indien und Brasilien. Als weitere Hoffnungsregionen sieht der WKÖ-Präsident Fernost, den Nahen Osten, GUS-Asien und Südamerika. Aber auch der CEE-Raum werde nicht vernachlässigt. Bei den Branchen seien Umwelt- und Energietechnik, Infrastruktur, Gesundheits- und Medizintechnik sowie Lebensmittel österreichische Stärkefelder, auf die man sich zusehends konzentrieren werde.

Gezielte Informationskultur An den Aktivitäten von „go international“ können auch Cluster- und Netzwerkinitiativen mitwirken, um langfristig an Dynamik, Fokussierung und Stärke zu gewinnen. Daneben benötigen die Partnerunternehmen Unterstützungsmaßnahmen durch ihren Cluster, wie beispielsweise gezielte Informationen und Veranstaltungen zu relevanten Märkten, gemeinsame Messebesuche bis hin zu Kontaktanbahnungsreisen und Technologiepräsentationen bei potenziellen Schlüsselkunden im Ausland. Die österreichischen Cluster- und Netzwerkinitiativen verfügen über intensive und persönliche Kontakte zu ihren mehreren tausenden Mitgliedsfirmen. Aufgrund der starken Exportorientierung der österreichischen Wirtschaft sind sie zunehmend gefordert, für ihr Klientel maßgeschneiderte und wirkungsvolle Unterstützungsmaßnahmen zur Marktbearbeitung sowie zur Erschließung von clusterspezifischen Wissens- und Know-how-Quellen zu entwickeln.
Neben der internationalen Positionierung spielt auch die entsprechende Vernetzung der Cluster- und Netzwerkinitiativen eine wichtige Rolle. Dafür sind maßgeschneiderte Instrumente notwendig, dazu zählen Informationsunterlagen in anderen Sprachen, Delegationsreisen (auch mit der Politik) oder Mailings. Die Vernetzung kann durch gemeinsame Aktivitäten, wie Messen, Geschäftspartnerkontakte, EU-Projekte, aber auch durch die Zusammenarbeit mit internationalen Bildungseinrichtungen vorangetrieben werden.

Marktsondierungsreise nach China
So hat der AC Styria im Vorjahr eine einwöchige Marktsondierungsreise nach China organisiert, bei der unter der Leitung von Landesrat Christian Buchmann und in Zusammenarbeit mit dem Internationalisierungscenter Steiermark ( ICS ), Eco World Styria sowie der Außenwirtschaft Österreich ( AWO ) politische und wirtschaftliche Kontakte geknüpft sowie individuelle B2B -Gespräche mit chinesischen Unternehmen geführt wurden.
Der Schwerpunkt dieser China-Reise lag darin, dass die teilnehmenden Firmen bereits im Vorfeld Firmen bzw. Geschäftsbereiche auswählen konnten, die dann in konkrete Termine sowohl in Schanghai als auch in Peking mündeten. Dazwischen gab es die Möglichkeit, Firmen zu besichtigen und Kontakte zu universitären Einrichtungen (z.B.: Tongji-Universität in Schanghai) herzustellen. Außerdem boten zwei „steirische Abende“ Kontaktchancen. Die Delegationsteilnehmer waren vorwiegend den Branchenschwerpunkten Umwelt, Energie und Automotive zuordenbar.

AWO setzt Technologie-Spezialisten ein
Zur Unterstützung ähnlich gelagerter Aktivitäten hat die AWO kürzlich ihre Außenhandelsstellen in Schlüsselmärkten mit Technologie-Spezialisten verstärkt. Bisher gab es solche Technologie-„Botschafter“ nur in New York und Los Angeles, seit Mitte vergangenen Jahres wurden in Schanghai, Tokio, Moskau, London, Frankfurt und Paris zusätzliche Positionen geschaffen, die sich speziell um den Bereich Technologie kümmern sollen, erklärte dazu der Leiter der Internationalen Technologiekooperationen der AWO, Michael Scherz.
Grundsätzlich zählt der Bereich Technologie zum üblichen Service-Angebot der derzeit 68 Außenhandelsstellen. In Schlüsselmärkten versuche man nun allerdings durch Spezialisten verstärkt Augenmerk auf dieses Gebiet zu legen, betonte Scherz. Das Service-Angebot geht dabei in beide Richtungen: Einerseits sollen der „Forschungsstandort Österreich im Ausland verkauft“ und heimische Unternehmen bei der Vernetzung mit Technologiepartnern sowie bei der Vermarktung innovativer Ideen unterstützt werden. Andererseits soll es auch einen starken Rückfluss an Informationen über diese Märkte, etwa in Form von Technologiereports, nach Österreich geben.

Vierländerprojekt „Centrope“
Intensive Zusammenarbeit verbindet auch die vier mitteleuropäischen EUStaaten Österreich, Tschechien, Slowakei und Ungarn, die gemeinsam seit 2003 die Region bzw. das das Interreg IIIA-Projekt “ Centrope “ bilden. Unter anderem wird im Rahmen des Projekts „Centrope Information Technology Transfer Project“ ( CITT ) versucht, die Kooperation bei IKT-relevanten Technologietransfers zu intensivieren. Gleichzeitig entwirft CITT eine Strategie zum Aufbau eines IKT-Clusters im Centrope-Raum, der grenzüberschreitenden Technologietransfer ermöglichen und erleichtern soll. Das Projekt CITT wird über das EU-Programm “ Wissensorientierte Regionen “ im 7. Forschungsrahmenprogramm kofinanziert und von der Wirtschaftsagentur Wien (vormals Wiener Wirtschaftsförderungsfonds WWFF) bzw. Vienna IT Enterprises ( VITE ) geleitet.
Unterstützung wird dem Projekt „Centrope“ unter anderem durch die Regionalförderung der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur ecoplus zuteil. Ziel sei die Positionierung der Region als international attraktiver Wirtschaftsstandort „im Herzen Europas“. „Centrope“ ist eine gemeinsame Initiative der Bundesländer Wien, Niederösterreich und Burgenland, des tschechischen Kreises Südmähren, der slowakischen Kreise Bratislava und Trnava, der ungarischen Komitate Györ-Moson-Sopron und Vas sowie der Städte Bratislava, Brno, Eisenstadt, Györ, Sopron, St. Pölten, Szombathely und Trnava.

Neue Förderschiene
Eine eigene Förderschiene zur Unterstützung der Internationalisierung der österreichischen Cluster und Netzwerke wurde erstmals Anfang 2010 ins Leben gerufen. Diese vom Wirtschaftsministerium eingerichtete Förderung unterstützt Cluster-Maßnahmen zur Vorbereitung, Kontaktanbahnung und – schließung mit internationalen Clustern und clusterähnlichen Akteuren sowie gemeinsame Aktivitäten zur Erschließung neuer Märkte und Kunden.

Die erste Ausschreibung ist im März zu Ende gegangen, insgesamt wurden neun Projekte – hauptsächlich Kooperationsprojekte von mindestens zwei Clustern – eingereicht. Weitere Calls mit einem Volumen von jeweils rund 150.000 Euro sind in jährlichem Rhythmus geplant. Die Förderaktion ist einerseits in der Internationalisierungsoffensive, andererseits in der auf Initiative des BMWFJ gebildeten „Nationalen Clusterplattform“ ( www.clusterplattform.at ) verankert, die Abwicklung erfolgt über die Förderbank Austria Wirtschaftsservice ( AWS ).

Quelle: APA / 18.07.2010

 
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