Cluster in Österreich und die Nationale Clusterplattform

9. August 2010

 

Wien APA-ZukunftWissen – Vernetzung und Kooperation macht alle Beteiligten stärker. Auf diese einfache Formel könnte man die rund 15-jährige Geschichte der Cluster in Österreich bringen. Was Mitte der 1990er Jahre mit dem steirischen Automobilcluster ACStyria begonnen hat, präsentiert sich heute als ein fein gesponnenes Netzwerk aus österreichweit mehr als 50 Cluster- und Netzwerk-Initiativen, dessen Eckdaten […]


Wien APA-ZukunftWissen – Vernetzung und Kooperation macht alle Beteiligten stärker. Auf diese einfache Formel könnte man die rund 15-jährige Geschichte der Cluster in Österreich bringen. Was Mitte der 1990er Jahre mit dem steirischen Automobilcluster ACStyria begonnen hat, präsentiert sich heute als ein fein gesponnenes Netzwerk aus österreichweit mehr als 50 Cluster- und Netzwerk-Initiativen, dessen Eckdaten für sich sprechen: In Summe erwirtschaften 420.000 Beschäftigte in ca. 3.500 Betrieben rund 80 Mrd. Euro.

Laut einer Definition der EU-Kommission gilt ein Cluster im weitesten Sinne als eine „Gruppe von Unternehmen, miteinander verbundenen Wirtschaftsakteuren und Einrichtungen, deren Standorte nahe beieinander liegen und die eine hinreichende Größenordnung erreicht haben, um in ihrer jeweiligen Spezialisierung Fachwissen, Dienste, Ressourcen, Lieferbeziehungen und Kompetenzen entwickeln zu können“. Der Fokus liegt also auf dem regionalen Charakter der Kooperationen. Dies kann als einfaches Unterscheidungskriterium zu den ebenfalls prosperierenden Kompetenzzentren gelten, die einen thematischen Forschungs-Schwerpunkt aufweisen.

Im Unterschied zu internationalen Definitionen muss in Österreich aber unbedingt berücksichtigt werden, „dass Cluster auch formell organisiert sind und gemanagt werden“, betont Werner Clement, der im Vorjahr im Auftrag des Wirtschaftsministeriums eine umfassende Bestandsaufnahme der heimischen Cluster vorgenommen hat. Damit seien „bloß identifizierte Stärkefelder oder statistische Gruppierungen von Kompetenzen bei der Definition von Clustern ausgeschlossen“. Österreich verfüge – im Gegensatz zu anderen Ländern – durchwegs über organisierte Cluster, die von eigenen Managern geleitet werden. Es handelt sich also nicht nur um reine Stärkefelder oder Initiativen.

Breite Themenpalette
Von Holz, Lebensmittel und Design über Informationstechnologie bis zu Werkstoffen: Thematisch sind die österreichischen Cluster bunt gemischt und breit aufgestellt. Gemessen an der Zahl der Partnerbetriebe ist der Kunststoff- Cluster (OÖ/NÖ/Sbg.) mit 432 der größte Cluster Österreichs, gefolgt vom Mechatronik-Cluster (284/OÖ) und dem Möbel- und Holzbaucluster (268/OÖ). Die Mitgliedsbetriebe sind dabei jedoch nicht auf das jeweilige Bundesland beschränkt, sondern teilweise über ganz Österreich und bis in die Nachbarländer verteilt. Internationale Konzerne wie z.B. Magna Steyr oder Siemens sind in mehreren Clustern tätig.

Cluster als Wirtschaftsfaktor
Die Ziele der einzelnen Cluster sind sich im Grunde sehr ähnlich, laut Möbelund Holzbau-Cluster gehören dazu etwa „die Nutzung von Innovationschancen entlang der Wertschöpfungskette, die Stärkung der Zulieferfunktionen und die Stimulierung von Kooperationen zwischen den Unternehmen sowie zwischen Unternehmen, Zulieferern, branchennahen Dienstleistern, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen und Aus- und Weiterbildungsinstitutionen.“ Wie prominent Cluster mittlerweile als Wirtschaftsfaktoren positioniert sind, Oberösterreich sind es gar 36 Prozent.

Da der globale Wettbewerb nicht mehr nur zwischen Unternehmen, sondern zunehmend auch zwischen Regionen als Träger wichtiger Standortfaktoren ausgetragen wird, spielt die Ausrichtung auf zentrale Kompetenzfelder bzw. Cluster eine bedeutende Rolle. Seitens der Bundesregierung wurde eine Verstärkung der Clusteraktivitäten im Regierungsprogramm festgeschrieben. So plant das Wirtschaftsministerium etwa den gezielten Ausbau der wirtschaftlichen und technologischen Stärkefelder in Österreich.

Internationale Anerkennung
Ein international besonders anerkanntes Stärkefeld Österreichs ist seit längerem der Umwelttechnikbereich. Dieses Jahr gab es gewissermaßen den Ritterschlag, als der steirische Umwelttechnikcluster Eco World Styria in einem internationalen Ranking der US-amerikanischen Cleantech-Gruppe zur Nummer eins der Umwelttechnologie-Cluster vor gleichartigen Einrichtungen aus USA, Finnland, Kanada und Dänemark gekürt wurde. „Dieses Ranking unterstreicht die exzellente Position steirischer Unternehmen in Energie- und Umwelttechnik“, betonte in diesem Zusammenhang der steirische Landesrat Christian Buchmann.

„150 Betriebe erwirtschaften 2,7 Mrd. Euro Umwelttechnik-Umsatz, das ist mit rund acht Prozent des regionalen Bruttoinlandsprodukts vergleichbar. Das durchschnittliche Wachstum in den vergangenen Jahren lag mit 22 Prozent wesentlich höher als das globale Marktwachstum, Weltmarktanteile wurden also gewonnen“, begründete Cleantech-Studienautor Shawn Lesser die Entscheidung. Damit verzeichne die Steiermark die höchste Dichte an Cleantech-Unternehmen in Hinblick auf Anzahl, Umsatz, Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt und jährliches Wachstum, so Lesser, der darüber hinaus „Pionierleistung und Innovationskraft“ der steirischen Betriebe hervorhob. Auf Auszeichnungen setzt beispielsweise auch die niederösterreichische Wirtschaftsagentur ecoplus seit 2004 mit einem jährlich verliehenen Clusterland-Award „, bei dem in verschiedenen Kategorien Kooperations-Ideen und -Projekte gekürt werden.

Die Nationale Clusterplattform
Österreich gilt sowohl europa- als auch weltweit als ein „early mover“ in der Cluster-Politik, erste diesbezügliche Aktivitäten starteten bereits in den frühen 1990er-Jahren. Je nach Definition und Zählweise gibt es derzeit rund 50 Cluster- und Netzwerkinitiativen, die durch zahlreiche Aktivitäten zur Stärkung der Innovationskraft und internationalen Wettbewerbsfähigkeit von österreichischen Unternehmen, insbesondere von KMU, beitragen. Nicht immer war die Clusterlandschaft aber so organisiert wie heute. 2008 wurde auf Betreiben des Wirtschaftsministeriums die Nationale Clusterplattform gegründet. Neben der Schaffung einer strukturierten Arbeitsebene für die Bund- und Länderakteure hat die Plattform zum Ziel, gemeinsame Themen zu initiieren und in Arbeitsgruppen weiterzuentwickeln, einen Beitrag zur Entwicklung und Umsetzung der österreichischen Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik zu leisten sowie die Anbindung an EU-Clusteraktivitäten zu gestalten. Weiters wird an der Errichtung einer optimalen Struktur für die aktive Teilnahme an europäischen Meinungsbildungs- und Strategieprozessen sowie an Programmausschreibungen in Österreich gearbeitet. „Wir haben im Ressort einen großen Schwerpunkt auf Schnittstellen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft gelegt. Da haben die Cluster gut ins Konzept gepasst“, erklärt Maria Bendl, im Wirtschaftsministerium für die Clusterplattform zuständig, den Hintergrund zur Initiative. Der eigentliche Anstoß sei aber von außen gekommen, so die Cluster-Expertin: „Nachdem die Cluster anderer europäischer Länder wie Frankreich bereits starke Vertretungen nach außen hatten, wollten heimische Vertreter regionaler Cluster ebenfalls mit geeinter Stimme auftreten.“

Clusterkonferenz im Mai
In der Zwischenzeit habe sich die mittlerweile mehr als 20 mitwirkende Institutionen umfassende Plattform „sehr gut bewährt und ist in allen Bundesländern bekannt“. Zwei Mal im Jahr treffen sich die Vertreter aller vier thematisch gegliederten Arbeitsgruppen, die sich unter anderem mit Clusterpolitik, Internationalisierung und Forschung befassen. Das Highlight stellt die einmal jährlich stattfindende Clusterkonferenz dar, deren dritte Ausgabe am 6. Mai in Wien ins Haus steht. Erwartet werden unter anderem Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner sowie der Staatssekretär des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Georg Schütte.

Eine wichtige Zielsetzung der Clusterplattform ist laut Bendl die Erarbeitung eines einheitlichen Leitbildes und die Clusterpolitik noch mehr mit anderen Politikfeldern in Einklang zu bringen. „Ein thematischer Schwerpunkt liegt momentan sicherlich auf Forschung und Bildung“, so Bendl. Die Wirtschaftskrise haben auch die österreichischen Cluster nicht unbeschadet überstanden. Allein beim steirischen Automobilcluster sind Tausende Arbeitsplätze verloren gegangen. Insgesamt hat die Netzwerkstruktur der Cluster aber dazu beigetragen, dass Einbußen abgefedert werden konnten. Seitens der Cluster will man der Krise in erster Linie mit Qualifizierungsmaßnahmen begegnen, etwa indem verstärkt Schulungsprogramme angeboten werden. „Für kleinere Betriebe bietet sich hier ein Vorteil, im Cluster organisiert zu sein, denn sie sind gegen Ausfälle besser gerüstet“, erklärt die Expertin. Vor allem in Richtung Exporte bringe die Clusterstruktur volkswirtschaftliche Vorteile, so Bendl. „Gemeinsam sind wir stärker“, laute das grenzüberschreitende Signal.

SERVICE: Die Website www.clusterplattform.at bietet Informationen über die mitwirkenden Cluster- und Netzwerkinitiativen, die vier Arbeitsgruppen der Nationalen Clusterplattform, Förderprogramme für Clusterkooperationen von Unternehmen sowie clusterrelevante Veranstaltungen und Studien.


Quelle: APA / 18.07.2010

 
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