Binder+Co holt Glas aus Müllverbrennungsschlacke

6. Juni 2011

 

Binder+Co entwickelt moderne Aufbereitungstechnologie zur Gewinnung von Altglasscherben aus Verbrennungsrückständen einer thermischen Abfallbehandlung


 

Um die Abfälle von den 430.000 Einwohnern Bratislava zu verwerten, gründete die Stadtregierung Bratislava mit dem Anlagenbetreiber OLO a.s. (ODVOZ A LIKVIDACIA ODPADU a.s.) im Jahr 1992 eine Müllverwertungsanlage für kommunalen Abfall. Jeden Monat sammeln eigene Transportfahrzeuge an die 9000 Tonnen Kommunalmüll, der in einer thermischen Verwertungsanlage verbrannt wird.

In der Müllverbrennungsanlage wird aus rund 22 t/h Hausmüll eine elektrische Leistung von 6,3 Megawatt gewonnen. Die bei der thermischen Verwertung anfallende Schlacke wurde bislang zur Versiegelung von Mülldeponien eingesetzt.

Binder+Co hat in Kooperation mit einem slowakischen Abluftspezialisten eine hochmoderne Glasrückgewinnungsanlage konzipiert und deren Installation im Jänner 2011 fertiggestellt. Aus dem wertarmen Verbrennungsrückstand wird durch die sogenannte Scherbensublimation reines Altglas gewonnen, das als hochwertiger Sekundärrohstoff in slowakischen Glashütten eingesetzt wird.

Die für die Gewinnung der Altglasscherben notwendigen Aggregate, wie das Sortiersystem, die Siebmaschine, der Fließbetttrockner, die Trockenwäsche sowie die Fördereinrichtungen, stammen von Binder+Co, die zentrale Entstaubungsanlage wurde zugekauft.

Anlagenkonzept zur Scherbensublimation und Altglasrückgewinnung aus der Schlacke
Da der Altglasanteil in der Schlacke durch die vorangehende Müllverbrennung stark durch Anhaftungen verunreinigt ist, müssen die Scherben optimal für die sensorbasierte Sortierstufe aufbereitet werden. Die dafür von Binder+Co entwickelte Scherbensublimation umfasst folgende Prozessschritte: die Klassierung der Scherben in zwei (oder mehrere) Fraktionen, die Trocknung des Glases sowie die mechanische Entfernung der Anhaftungen durch Trockenwäsche.

Derzeit fallen etwa 8 t/h an Verbrennungsrückstand mit einem Glasanteil von ca. 20% an. Die über den Vorschubrost der Verbrennungsöfen ausgeschiedene Schlacke wird mit Prozesswasser abgeschreckt, auf etwa 40°C gekühlt und mit einem Gurtförderer in einen Zwischenbunker transportiert. Der Aufgabebunker der Glasgewinnungsanlage wird von einer Krananlage mit der gekühlten Schlacke beschickt.

Zunächst wird die Rohschlacke nach der Eisenabscheidung, die durch einen Überbandmagneten erfolgt, der Spezialsiebmaschine BIVITEC zugeführt. Auf dem mit Stangenrost ausgestatteten Oberdeck der Siebmaschine werden übergroße, glasfremde Materialien, auf dem Unterdeck das Feinkorn 0/7 mm abgeschieden. Hier zeichnet sich die besondere Funktion des BIVITEC-Siebsystems aus: Die dynamisch erregten Siebbeläge sorgen für freibleibende Siebmatten und somit effiziente Absiebung. Nicht nur das siebschwierige Material Schlacke, sondern auch der hohe Feuchtegehalt von 15% sowie der feine Trennschnitt bei 7 mm würden herkömmliche Siebmaschinen vor große Probleme stellen.

Das in der Klassierung gewonnene Mittelkorn weist einen Glasanteil von bis zu  50% auf und hat für die weitere Behandlung die optimale Korngrößenzusammensetzung. Der Feuchtegehalt von 15% wird in der nächsten Prozessstufe auf 1% reduziert. Die hier eingesetzte DRYON-Fließbetttrocknung hat gegenüber der sonst oft verwendeten Trommeltrocknung mehrere Vorteile: Zum einen wird die Schlacke in einem einzigen Schritt getrocknet und gekühlt, die dafür nötige Prozessfläche hat einen geringen Platzbedarf. Die Fließbetttrocknung erweist sich als besonders verschleißarm, die Prozesskosten können durch geringen Energiebedarf niedrig gehalten werden.

Das durch Staub und Anhaftungen stark verunreinigte Material wird im nächsten Schritt in einer Trockenwäsche gesäubert. Im Etikettenentferner wird durch Förderpaddeln ein Abrieb des Materials erzeugt, die Glassscherben werden weitgehend von Anhaftungen und Staub befreit. Das hier entstehende Feinkorn unter 7 mm wird bei der nachgeschalteten Sieb- und Verteilförderrinne abgesiebt.

Das reine Hartstoffprodukt wird nun der All-Metallabscheideanlage, die mit Überbandmagnet und Wirbelstromabscheider ausgerüstet ist, zugeführt, um auch Eisen- und Nichteisenmetall aus der Verbrennungsschlacke zu gewinnen.

Die finale Separationsstufe passiert auf der optischen Sortiermaschine CLARITY. Auf 1400 mm Sortierbreite werden die Glasscherben durch positive Sortierung aus dem klinkerartigen Reststoff abgeschieden. Bis zu 3 Tonnen reines Altglas können so pro Stunde gewonnen werden.

Neue Gesetzeslagen, begrenzte Deponiekapazitäten und das Streben nach hoher Wirtschaftlichkeit von Aufbereitungsanlagen sind die Motivatoren für neue Anlagenkonzepte, wie die Glasgewinnung aus Verbrennungsschlacke. Dabei setzt die Binder+Co AG nicht nur auf ihre prämierte Sortiertechnologie, sondern mit der Scherbensublimation auch auf energie- und ressourcenschonende Konditionierung (Trockenwäsche, Fließbetttrocknung) des Materials.

Anlagendaten:
Inputkapazität der Gesamtanlage: 25 t/h
Siebmaschine: BIVITEC mit 6,5 m² effektiver Siebfläche pro Siebdeck; Oberdeck: Stangenrost; Unterdeck: flexible PU-Matten
Trockner/Kühler: DRYON mit 8,4 m² effektiver Trocknungs/Kühlfläche, Verbrauch: 19 m³ Erdgas/t
CLARITY: Sortierbreite 1400 mm, maximale Abscheideleistung: 3,5 t/h

Christian Makari, Binder+Co AG / 01.06.2011

 

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