Bioverpackungen – weltweit gefragt

14. Oktober 2014

 

Weltweit besteht intensiver denn je das Bestreben, weg von Plastikverpackungen zu kommen. Nicht zuletzt Filme wie „Plastic Planet“ haben die Gesellschaft wachgerüttelt. Verpackungsmüll als weltweites Problem erfordert eine rasche Umstellung in Richtung kompostierbare und recyclingfähige Materialien. Neben dem Great Pacific Garbage Patch, einem Müllteppich in der Größe Deutschlands, der 1997 erstmals beschrieben wurde, wurden inzwischen […]


 

Weltweit besteht intensiver denn je das Bestreben, weg von Plastikverpackungen zu kommen. Nicht zuletzt Filme wie „Plastic Planet“ haben die Gesellschaft wachgerüttelt. Verpackungsmüll als weltweites Problem erfordert eine rasche Umstellung in Richtung kompostierbare und recyclingfähige Materialien. Neben dem Great Pacific Garbage Patch, einem Müllteppich in der Größe Deutschlands, der 1997 erstmals beschrieben wurde, wurden inzwischen auch noch vier weitere entdeckt: 2010 das North Atlantic Garbage Patch und das Indian Ocean Garbage Patch, 2013 das South Atlantic Garbage Patch und das South Pacific Garbage Patch. Im Nordpazifik kommen auf 1 kg natürliches Plankton schon 6 kg Plastik. Insgesamt treiben laut Deutschem Umweltbundesamt (2013) 100 – 150 mio to Müll im Meer, 60% davon aus Plastik. Der WSPA Report meldet, daß jährlich zwischen 57.000 – 135.000 Wale durch aufgegebene Fischfangnetze stranguliert werden. Viele Meeresbewohner und Seevögel nehmen Plastik als vermeintliche Nahrung auf und sterben, weil sie verhungern und den Müll nicht mehr verdauen können. Über die Nahrungskette können Kunststoffe sogar bis in den menschlichen Körper gelangen. Am 11.4.2013 wurde von der Unesco das „Great Pacific Garbage Patch“ zu einem neuen Kontinent erklärt, um die Öffentlichkeit über die Dimension des Problems aufmerksam zu machen.

Auslöser für das Engagement des Verpackungszentrum Graz im Bereich biogener Verpackungen war 1989 die Meldung, daß die heimischen Deponien voll sind.1992, noch bevor die Vermüllung der Meere öffentlich bekannt wurde, hat das Verpackungszentrum Graz in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Graz sein erstes Forschungsprojekt „Alginsulat Schaumstoff“ begonnen, dem dann bald zwei weitere folgten: „Biokunststoffe aus landwirtschaftlichen Abfällen“ und „Netzverpackungen aus Naturfasern“. Die Markteinführung der Bionetzschläuche aus der Buchenholzzellulose Lenzing Modal bei REWE Ja! natürlich im Dezember 2012 ist älter als die Entdeckung der beiden Müllteppiche in den südlichen Meeren. Das Verpackungszentrum konnte damit erstmals einen Marktdurchbruch erzielen. REWE und HOFER setzen die Bionetzverpackung bis heute erfolgreich für ihre Biomarken ein. Die Innovation wurde kürzlich mit dem vom Österreichischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik, Kompack, easyFairs Deutschland und Altstoff Recycling Austria vergebenen Green Packaging Star Award ausgezeichnet. Im Zuge des internationalen A Design Award –das Verpackungszentrum Graz erreichte heuer Silber in der Kategorie Sustainable Design– wird die Innovation demnächst in Ausstellungen in Irland, Holland und China vorgestellt werden.

Folgende Markt-Aktion prägt den lokalen Herbstbeginn im Verpackungszentrum Graz:

Die Grazer Bauernmärkte – Innovativ bio verpackt zum Erntedank
Die Natur stellt uns vieles zur Verfügung. Nicht nur unsere Lebensmittel. Die Rückbesinnung auf Naturverpackungen ermöglicht aus natürlichen Rohstoffen und Reststoffen mithilfe innovativer Technologien moderne Bioverpackungen, wie z.B. Bioplast-Tragtaschen, herzustellen. Die Eigenschaften ähneln jenen bekannter, erdölbasierter Kunststoff- Tragtaschen, jedoch ist Bioplast vollständig biologisch abbaubar und kompostierbar. Das Granulat wird aus Industriekartoffeln, die für Nahrungsmittelzwecke nicht geeignet sind und ohne gentechnisch veränderte Organismen gewonnen werden, hergestellt. Die Taschen sind gemäß Norm EN 13432 und OK COMPOST zertifiziert. Das Material ist reißfest, wasser- und fettdicht. Auf Initiative der Stadt Graz wird die innovative Bio-Stärketragtasche des Verpackungszentrum Graz auf allen Grazer Bauernmärkten in einer großzügig angelegten Testaktion vorgestellt. Die Bäurinnen und Bauern erhalten die Tragtaschen kostenlos, die Konsumentinnen und Konsumenten können das frische Obst und Gemüse in der verrottbaren Tragtasche nach Hause tragen und ausprobieren. Derart bio verpackt hält sich dieses nachweisbar länger frisch. Danach kann die Tragtasche nochmals als Müllbeutel für Bioabfälle wiederverwendet werden, denn Inhalt und Verpackung sind gemeinsam kompostierbar und ermöglichen ein hygienisches Handling.

Italien hat bereits ein Plastiksackerlverbot. Mit 30.9.2014 folgte ganz aktuell als erster US Bundestaat Kalifornien und verbietet die dünnwandigen Taschen. Frankreich wird 2016 ein Verbot aussprechen. Auch England, Mexico, China, Indien, Burma, Bangladesh, Ruanda und Australien haben restriktive Entscheidungen in Kraft gesetzt. Damit scheint die Zeit marktreif für biogene Alternativen zu werden.

Es gibt mehrere Gründe für die Steiermark vorn dabei zu sein:

– Die ÖsterreicherInnen sammeln vorbildlich organischen Abfall. In der EU-Statistik führt Österreich mit 40% Verwertungsquote.

– Der Erfolgscluster Eco World Styria zeigt, daß die Steiermark weltweit federführend im Bereich Umwelttechnologien ist.

– Viele Länder besinnen sich wieder auf die regionale Lebensmittelbeschaffung. Graz hat sie noch: Viele kleine Bauernmärkte, auf denen ganz in der Nähe regional erzeugtes, frisches Obst und Gemüse angeboten wird.

Quelle: Verpackungszentrum Graz / Presseaussendung 14.10.2014

Foto: Verpackungszentrum Graz

Foto: Verpackungszentrum Graz

 

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