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1 Jahr Gemeinwohl-Ökonomie – eine neue Wirtschaftsbewegung entsteht in Europa

6. Oktober 2011

 

 

Bozen/München/Graz/Klagenfurt/Linz/Salzburg/ Wien/. In sieben Städten Italiens, Deutschlands und Österreichs haben heute Mittwoch rund 100 Unternehmen ein neues Wirtschaftsmodell vorgestellt: Die Gemeinwohl-Ökonomie. Diese Reformbewegung wurde von einem Kreis österreichischer UnternehmerInnen entwickelt und beruht auf neuen Grundwerten, die von vielen Menschen herbeigesehnt werden: „Die Systemspielregeln der Wirtschaft werden von Gewinnstreben und Konkurrenz auf Gemeinwohlstreben und Kooperation umgestellt“, sagt Wirtschaftspublizist Christian Felber, der das neue Konzept ins Leben gerufen und auch das gleichnamige Buch verfasst hat.

„Unser Modell hat zum Ziel, dass jene Unternehmen, die sich sozial verantwortlich, solidarisch, ökologisch und demokratisch verhalten, über niedrigere Steuern, Zölle und Kredite sowie durch Vorrang im öffentlichen Einkauf belohnt werden,. Diese neuen Werte sind in der Gesellschaft konsensfähig, weil sie zu einem guten Zusammenleben beitragen.“ Im Modell Gemeinwohl-Ökonomie erstellen die Unternehmen eine jährliche Bilanz, in der die Firmenleistungen für das Gemeinwohl sichtbar gemacht, in Punkten gemessen und später auch steuerlich belohnt werden (ökologische Produkte und Produktion, hohe Arbeitsplatzqualität, innerbetriebliche Mitbestimmung, Kooperationskompetenz, …).

BOOMENDE JUNGE BEWEGUNG
Die von zahlreichen Organisationen, PolitikerInnen und Privatpersonen mitgetragene Initiative startete vor einem Jahr, im Oktober 2010. Seither ist die Bewegung auf 400 unterstützende Unternehmen aus acht Staaten angewachsen. Ein Viertel davon erstellt 2011 erstmals freiwillig die Gemeinwohl-Bilanz. Im ersten Jahr steht die Beteiligung an einem partizipativen Prozess im Vordergrund. Die Bilanz soll in den nächsten Jahren von einer wachsenden Zahl an AkteurInnen weiterentwickelt werden, bevor sie rechtsverbindlich wird. Zu diesem Zweck wird ein „Wirtschaftskonvent“gewählt, er arbeitet die entsprechenden Gesetze aus und legt sie dem Souverän zur Abstimmung vor. Weitere angestrebte Reformierungen des wirtschaftlichen Ordnungsrahmens drehen sich um Gewinn-verwendung, Einkommens- und Eigentumsbegrenzungen sowie um eine Reduktion der Regelarbeitszeit und ein solidarisch finanziertes Freijahr pro zehn Jahren Berufstätigkeit.

REGIONALE „ENERGIEFELDER“
In Österreich, Italien, der Schweiz und Deutschland haben sich rund 20 „Energiefelder“ aus gemischten AkteurInnen gebildet, welche die Idee bekannt machen und tausende Unternehmen einladen, sich der Initiative anzuschließen. Derzeit sind BeraterInnen, AuditorInnen, Bilanz-RedakteurInnen, ReferentInnen, BotschafterInnen und ein „Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie“ aktiv. Letzterer koordiniert sämtliche AkteurInnen-Kreise und Aktivitäten. Alle Unternehmen und Privatpersonen sind herzlich eingeladen, sich der Initiative anzuschließen und das Modell partizipativ weiterzuentwickeln.

DAS BUCH ZUM THEMA
Die Gemeinwohl-Ökonomie, das Wirtschaftsmodell der Zukunft
Deuticke, August 2010, 144 Seiten, € 15,90 [D] / € 16,40 [A]

RÜCKFRAGEN
Inhaltlich: Christian Felber, Initiator, +43/676/9359097, info@christian-felber.at
Unterlagen: Verein Gemeinwohl-Ökonomie: koordination@gemeinwohl-oekonomie.org Energiefeld Graz:
Andreas Giselbrecht, KWB, andreas.giselbrecht@kwb.at, +43/664/820 3669
Nikolaus Ladner, energiefeld-graz@gemeinwohl-oekonomie.org

Quelle: KWB Biomasseheizungen / 05.10.2011

 

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